Deutsche Bahn : Lokführer halten sich nach Tarif-Kompromiss bedeckt

Nach der Einigung zwischen den Bahngewerkschaften Transnet und GDBA über eine neue Tarifstruktur hält sich die GDL alle Optionen offen, was ihre Verhandlungen angeht. Ohne "eigenständigen" Vertrag soll es keine Lösung geben.

Frankfurt/BerlinNach der Einigung der Bahn mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA auf ein neues Tarifsystem für den Konzern hält sich die Lokführergewerkschaft GDL alle Optionen offen. Die GDL war an den Verhandlungen der beiden größeren Gewerkschaften mit dem gemeinsamen Arbeitgeber nicht beteiligt. Sie verlangt einen eigenständigen Tarifvertrag. Bahn und GDL wollen sich an diesem Montag zu einer vorerst einzigen Tarif-Verhandlungsrunde treffen.

"Wir werden uns zu Tarifangelegenheiten erst nach unseren eigenen Verhandlungen mit der Bahn äußern", sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert. Bei dem Treffen will der GDL-Vorsitzende Manfred Schell geklärt wissen, ob sich mit der Bahn noch eine gemeinsame Definition eines "eigenständigen Tarifvertrags" finden lässt. Wenn das misslingt, drohen neue Streiks bei der Bahn.

Die Einigung der beiden anderen Gewerkschaften mit der Deutschen Bahn garantiert den Beschäftigten unter anderem Einkommenszuwächse von mindestens zehn Prozent bis Ende 2010. Zudem soll es künftig einzelne Tarifverträge für sechs Tätigkeitsgruppen geben. Den für die Lokführer könnte die GDL aushandeln.

Suckale: "Ein Mindestmaß an Abstimmung"

Bahn-Personalvorstand Margret Suckale sagte, mit dem neuen System könne auf Besonderheiten stärker Rücksicht genommen werden, zugleich bleibe aber ein einheitliches Tarifwerk gewahrt. Das Modell setzt nach Bahn-Angaben ein "Mindestmaß an Abstimmung" zwischen den drei Gewerkschaften vor allem bei Entgeltfragen voraus. Damit solle ein gegenseitiges "Aufschaukeln" vermieden werden.

Nach Angaben von Transnet-Chef Norbert Hansen ist der GDL die Federführung für Lokführer zugedacht. "Wenn sie diesen Tarifvertrag ausfüllt, dann haben wir den Durchbruch erreicht, und dann sehe ich auch eine Chance, mit der GDL kooperativ zusammenzuarbeiten", sagte er im Sender N-TV.

Vom Lokführer-Streik profitiert

Schell führte die Einigung der beiden anderen Gewerkschaften mit der Bahn im Radiosender WDR 5 auch auf den Druck der Arbeitskämpfe der Lokführer in den vergangenen Monaten zurück. Dabei war zeitweise der Personen- und Güterverkehr im Osten fast lahmgelegt worden, im Westen fielen zahlreiche Züge aus. Zudem bekräftigte Schell seine Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag für das Fahrpersonal.

Das Tarifsystem, das Bahn Transnet und GDBA am Donnerstagabend vereinbart hatten, sieht neben den sechs Einzelverträgen einen Basis- Tarifvertrag für 135.000 Beschäftigte vor. Er enthält, was für alle gleichermaßen gilt, etwa Altersvorsorge oder Beschäftigungssicherung. Finanziell wurde festgeschrieben, dass nach dem bereits vereinbarten Plus von 4,5 Prozent bis Ende 2010 weitere 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt gezahlt werden sollen. Für Mitarbeiter, die zum Beispiel stark belastende Schichtdienste leisten, sollen zusätzliche vier Prozent der Gehaltssumme 2007 verwendet werden. Das neue System soll laut Transnet im ersten Halbjahr 2008 endgültig besiegelt sein. (mac/dpa)

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