Deutsche Bahn : Lokführer sollen im Speisewagen arbeiten

Die Bahn streicht 3900 Stellen im Güterverkehr. Schuld ist die Krise der Industrie, die das Transportvolumen stark sinken lässt. Die Bahner sollen nun über eine "Umorientierung" hin zu einer anderen Sparte nachdenken.

Carsten Brönstrup
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Karl-Friedrich Rausch. -Foto: dpa

BerlinDie Deutsche Bahn will in ihrer Güterverkehrssparte massiv Stellen abbauen. Für mindestens 3900 Beschäftigte gibt es angesichts der Krise keine Arbeit mehr, sie müssen mit der Versetzung in eine andere Sparte des Staatskonzerns rechnen. Das kündigte Logistik-Vorstand Karl-Friedrich Rausch in der Mitarbeiterzeitung „DB Welt“ an. Darüber hinaus gebe es ein „zusätzliches Arbeitsplatzrisiko“ wegen des heftigen Preiskampfes mit den Lkw-Spediteuren – Details nannte Rausch dazu nicht. Derzeit sind 28 000 Menschen im Unternehmen beschäftigt.

Die Bahn-Gewerkschaften hatten bereits vor dem Abbau von bis zu 7000 Stellen gewarnt. Grund ist der Einbruch im Schienentransport – als Folge der Produktionsflaute in den Branchen Auto, Stahl, Kohle und Chemie, die traditionell stark auf die Bahn setzen. Das Unternehmen rechnet damit, dass sein Transportaufkommen in diesem Jahr um mehr als ein Drittel zurückgehen wird. „Allein aus den geringeren Transportaufträgen ergibt sich bislang, dass für rund 2400 Beschäftigte dauerhaft keine Arbeit da ist“, sagte Rausch. Hinzu komme ein „struktureller Anpassungseffekt“ von weiteren 1500 Stellen. „Die Durststrecke wird sehr lang sein“, prognostizierte er. Insgesamt 500 zu kürzende Stellen könnten über den Weg der Altersteilzeit wegfallen, hieß es.

Die Gütersparte DB Schenker Rail ist härter als alle anderen Bahn-Bereiche betroffen, weil sie sehr kapitalintensiv ist. 80 Prozent der Kosten seien Fixkosten, sagte Rausch, „uns fehlt schlicht und einfach Geld“. 35 000 Güterwagen stehen auf den Abstellgleisen, 8500 Beschäftigte arbeiten kurz. Im ersten Halbjahr hatte die Sparte 121 Millionen Euro vor Steuern und Zinsen verloren, auch für das Gesamtjahr wird es Verluste geben. Man habe 2009 „ein erhebliches Ergebnisproblem“, erklärte Projektleiter Mirko Pahl, der die Sparte neu ausrichten soll, in einem anderen Schenker-Mitarbeiterblatt.

Mit Kündigungen müssen die Bahn-Leute nicht rechnen, davor sind sie dank eines Beschäftigungsbündnisses bis Ende 2010 geschützt. Logistik-Chef Rausch sagte aber, es müsse „Personalanpassungen innerhalb des Konzernarbeitsmarktes“ geben. Die Beschäftigten sollen also in andere Sparten wechseln. Rudolf Müller, Personalchef bei DB Schenker Rail, sprach von 2000 offenen Stellen in anderen Bereichen, etwa als Lokführer im Regionalverkehr, als Arbeitskraft im Stellwerk, im Bordservice oder beim Sicherheitsdienst. Die Jobs würden für die Güterbahn-Leute freigehalten, diese müssten sich aber rasch entscheiden. Müller appellierte an die „lieben Kolleginnen und Kollegen“, rechtzeitig über eine Umorientierung nachzudenken. „Als Alternative nach Auslaufen der Kurzarbeit droht nach einer Sozialauswahl der Wechsel in den Jobservice“, also den konzerninternen Arbeitsmarkt, kündigte Müller unverhohlen an. Seit Juli haben laut Bahn „einige Hundert“ einem Wechsel zugestimmt.

Die Gewerkschaften protestieren gegen die Kürzungspläne des Managements. Sie warnen vor einem „Kahlschlag im Güterverkehr auf der Schiene und vor einem Rückzug aus der Fläche“, wie es in der vergangene Woche verabschiedeten „Mainzer Erklärung“ von Transnet hieß. Die Bahn dürfe nicht die Zukunftsfähigkeit des Schienen-Güterverkehrs aufs Spiel setzen, „nur um kurzfristig das unsinnige Ziel der Kapitalmarktfähigkeit erreichen zu können“, heißt es darin. Die Arbeitnehmer befürchten, dass es heftige Einsparungen bei den Standorten geben wird und womöglich ganze Rangierbahnhöfe geschlossen werden. Dann würde der Personalbedarf auf Dauer sinken – ebenso wie der Marktanteil des Schienen-Güterverkehrs.

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