Deutsche Bahn : Mehdorn greift Tiefensee wegen Bonus-Debatte an

Am Wochenende hatte Verkehrsminister Tiefensee den Bahn-Vorstand öffentlich aufgefordert, auf Bonus-Zahlungen für den geplanten Börsengang zu verzichten. Bahn-Chef Mehdorn ist sauer - und der Minister scheut plötzlich die Öffentlichkeit.

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Bahn-Chef Mehdorn (l.) und Verkehrsminister Tiefensee -Foto: ddp

BerlinIm Streit um Sonderprämien für den Bahn-Vorstand beim geplanten Börsengang hat der Logistikkonzern den Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) kritisiert. Man sei über die Äußerungen Tiefensees "enttäuscht und verwundert", heißt es in einer am Montag in Berlin veröffentlichten Erklärung des Vorstands.

Der Minister habe "trotz einiger Gespräche in den letzten Wochen, auch unter vier Augen, dieses Thema gegenüber dem DB-Vorstand zu keinem Zeitpunkt angesprochen". Der Vorstand mit seinem Vorsitzenden Hartmut Mehdorn gehe davon aus, "dass Vergütungsangelegenheiten nicht in der Öffentlichkeit, sondern im dafür aktienrechtlich zuständigen Aufsichtsrat zu besprechen und zu regeln sind".

Der Minister hatte am Wochenende den Konzernvorstand der Deutschen Bahn zum Verzicht auf die Prämien aufgefordert. "Ich appelliere an den Vorstand der Bahn: Verzichten Sie auf den Bonus“, sagte Tiefensee diesbezüglich der "Bild"-Zeitung. Er räumte zudem ein, dass er die Boni nicht rückgängig machen könne. "Ich kann das nicht anordnen. Das Aktienrecht verbietet das", sagte der Ressortschef.

Tiefensee sagt Pressekonferenzen ab

Am vergangenen Mittwoch hatte Tiefensee seinen Staatssekretär Matthias von Randow entlassen, weil dieser die Boni am 24. Juni im Aufsichtsrat der Bahn mit abgesegnet hat, ihn aber erst Mitte September unterrichtete, als Änderungen nicht mehr möglich waren. Seither steht Tiefensee unter Druck, zumal er zunächst hatte verlauten lassen, erst vor ein bis zwei Wochen davon erfahren zu haben. FDP, Grüne und Linke fordern seinen Rücktritt.

Am Montag dann sagte Tiefensee kurzfristig zwei Presskonferenzen in Berlin und Dresden ab. Zur Begründung der Absage seines Auftritts in Berlin hieß es, es habe "nur vier Anmeldungen" gegeben. Bei der Pressekonferenz sollte es eigentlich um eine Konferenz zur friedlichen Revolution in der DDR gehen. Thema der Fragen wäre wohl aber auch die Debatte um die Bahn und die Rücktrittsforderungen an Tiefensee gewesen. Eine weitere Pressekonferenz am Nachmittag in Dresden wurde "wegen der Verpflichtungen in Berlin" gestrichen. Am Mittwoch soll Tiefensee dem Verkehrsausschuss des Bundestages Rede und Antwort stehen. (sf/dpa/ddp)

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