Deutsche Bahn : Mehdorn wusste über Korruptionsbekämpfung Bescheid

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat eingeräumt, über die Ergebnisse der Korruptionsbekämpfung in seinem Konzern informiert gewesen zu sein, nicht aber über die dabei angewandten Ermittlungsmethoden. Das erklärte er nach Informationen des Tagesspiegels am Mittwoch bei der Sondersitzung des Aufsichtsrats zur Datenaffäre.

Carsten Brönstrup
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Proteste gegen Mehdorn: Vor der Zentrale der deutschen Bahn in Frankfurt am Main forderten am Mittwoch Demonstranten die Kündigung...Foto: dpa

BerlinMit Blick auf die wiederholten Massen-Datenabgleiche sagte Mehdorn: "Weder von der Art und Weise der Durchführung, noch vom Zeitpunkt, noch vom Umfang, noch von der Einbindung Dritter" habe der Vorstand Kenntnis gehabt. "Maschinelle Datenabgleiche sind jedoch industrieüblich und gehören zu den Instrumenten der Konzernrevision", heißt es weiter in der fünfseitigen Erklärung. Dass dabei der Betriebsrat nicht informiert gewesen sei, halte er für einen "groben Fehler". Er hätte "niemals dazu aufgefordert", die entsprechenden rechtlichen Bestimmungen nicht einzuhalten, beteuerte der Bahn-Chef. Die Konzernspitze habe nicht davon ausgehen können, dass bei der Zusammenarbeit mit externen Firmen gegen Gesetze verstoßen worden sei, weil "meine Vorstandskollegen und ich zu keinem Zeitpunkt über die Zusammenarbeit mit der Firma Network Deutschland und ähnlichen Dienstleistern unterrichtet waren".

Mehdorn betonte, es gebe nach wie vor keine Hinweise, "dass irgendjemand im DB-Konzern Aufsichtsräte, Journalisten Bundestagsabgeordnete etc. überprüft oder ausgespäht hätte". Dies hatte die FDP vermutet.

Gleichwohl stellte sich Mehdorn hinter die Arbeit der Konzernrevision. Es gebe "keinen Anlass, grundsätzlich an einer ordnungsgemäßen Aufstellung" der Abteilung zu zweifeln. Josef Bähr, der kürzlich beurlaubte Leiter der Abteilung, habe ihn "selbstverständlich über wichtige Vorgänge informiert". In Entscheidungen wie Aufträge an externe Firmen oder Datenabgleiche sei er, Mehdorn, aber nicht einbezogen gewesen. Gleichwohl äußerte er Verständnis dafür, dass Bähr "in einer so aufgeheizten Situation" nicht den Eindruck erwecken wolle, "weiteren Untersuchungen im Wege zu stehen". (brö/Tsp)

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