Wirtschaft : Deutsche Bahn: Neue Preise enttäuschen Pendler

brö/ale

Die Bahn will kurz nach der Bundestagswahl 2002 ein neues Preissystem einführen. Das neue Tarifsystem soll übersichtlicher werden, versprach Bahn-Chef Hartmut Mehdorn bei der Vorstellung der Pläne. Spezialtarife werden abgeschafft, stattdessen gibt es Rabatte für Frühbucher, Familien und Gruppen. Die Bahn-Card wird billiger, ist aber nur noch für 25 Prozent Rabatt gut. Pendler im Nahverkehr müssen sich deshalb auf höhere Preise einstellen. Umweltverbände und die Grünen begrüßten das neue Preissystem, forderten aber im Nahverkehr noch Verbesserungen. Kritik kam von der Landesregierung in Mainz.

Kern des neuen Preissystems ist ein Grundpreis. Ihn zahlen "Spontanfahrer". Wer sein Ticket einen, drei oder sieben Tage im Voraus bucht, kann Rabatte von zehn, 25 und 40 Prozent plus gegebenenfalls den Bahn-Card-Rabatt in Anspruch nehmen. Mit diesem Anreiz sollen Kunden verstärkt in bisher leere Züge gelockt werden. Vor allem Familien profitieren: Kinder bis 14 Jahre fahren in Begleitung eines Elternteils künftig umsonst, alleine zahlen sie den halben Preis.

Für die Einführung der neuen Preise muss die Bahn rund 200 Millionen Mark investieren, vor allem in Computerprogramme, die künftig am Schalter wie am Automaten jeweils den günstigsten Fahrpreis ausspucken sollen. Zudem rechnet das Unternehmen im ersten Jahr, 2003, mit Einnahmeausfällen von rund 150 Millionen Mark. Doch schon von 2004 an erwartet die Bahn jährlich rund 300 Millionen Mark Mehreinnahmen.

Die Bahn ist nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" von Januar bis Mai aus den roten Zahlen gefahren und hat einen Gewinn von rund 50 Millionen Mark erwirtschaftet. Ursprünglich hatte der Bahnvorstand mit einem Minus von knapp 670 Millionen Mark für diesen Zeitraum kalkuliert. Höhere Fahrgastzahlen und niedrigere Kosten hätten zu diesem Ergebnis geführt.

Kritik am neuen Tarifsystem kam aus Rheinland-Pfalz. Verkehrsminister Artur Brauckhage drohte, "gegen die erheblichen Preissteigerungen für Nahverkehrskunden vorzugehen". Die Bahn wies die Kritik zurück. Es handele sich um lediglich zwei Prozent der Kunden, und wenn diese die Bahn-Card auch im Fernverkehr nutzten, stünden sie sogar günstiger da.

Der verkehrspolitische Sprecher der Bündnisgrünen im Bundestag, Albert Schmidt, begrüßte die Preissreform. "Ich bin davon überzeugt, dass die Kunden den Systemwechsel schnell begreifen werden, auch wenn die Reform von den Fahrgästen die Anstrengung verlangt, sich zu entscheiden." Aus seiner Sicht ist die Reform eine "familienpolitische Revolution". Allerdings forderte Schmidt "Nachbesserungen bei den Kurzstrecken, um die Pendler zu entlasten"

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