Deutsche Bahn : Personalchefin der Bahn wirft hin

Was wusste Margret Suckale? Wie tief ist sie in die Datenaffäre bei der Deutschen Bahn verstrickt? Hat sie von den zum Teil kriminellen Machenschaften gewusst, sie womöglich selbst angeordnet? Diese Fragen werden am 13. Mai die Sonderermittler beantworten, die über Details der Mitarbeiter-Bespitzelung berichten wollen.

Carsten Brönstrup
Suckale
Margret Suckale geht zur BASF. -Foto: dpa

BerlinBerlin - Was wusste Margret Suckale? Wie tief ist sie in die Datenaffäre bei der Deutschen Bahn verstrickt? Hat sie von den zum Teil kriminellen Machenschaften gewusst, sie womöglich selbst angeordnet? Diese Fragen werden am 13. Mai die Sonderermittler beantworten, die über Details der Mitarbeiterbespitzelung berichten wollen. Suckale, die Personalchefin bei der Bahn-Tochter Mobility Logistics, ist dann schon fast weg. Sie werde ab Juli beim Chemiekonzern BASF eine Zentraleinheit leiten, die sich um Personalangelegenheiten der Führungskräfte kümmert, erklärte BASF.

Suckale ist die erste Führungskraft, die nach dem Wechsel von Hartmut Mehdorn zu Rüdiger Grube an der Spitze die Bahn verlässt. Viele glauben, dass die 52-Jährige zumindest informiert war über die Zusammenarbeit mit Detekteien, die es bei der Beschaffung von Details über verdächtige Mitarbeiter mit Gesetzen nicht so genau nahmen. Zu Suckales Kritikern gehören Berlins oberster Datenschützer Alexander Dix, aber auch viele aus dem Arbeitnehmerlager.

Auf deren Vertrauen war Suckale aber angewiesen. Für 177 000 Bahn-Beschäftigte trug sie die Verantwortung – und hatte damit mehr Macht als Norbert Hansen, der in der Bahn-Holding Personalvorstand ist. Seit 1997 hatte Suckale die Bahn-Rechtsabteilung geleitet, 2005 den Vorstand übernommen. Sie ist eine der wenigen weiblichen Top-Führungskräfte in deutschen Konzernen. 2008 kürte sie der Gütersloher Großbäcker Mestemacher zur „Managerin des Jahres“.

„Wir freuen uns auf die Verstärkung durch Margret Suckale, die in schwierigem Umfeld Professionalität und Beharrlichkeit bewiesen hat“, ließ BASF-Chef Jürgen Hambrecht wissen, dem Suckale direkt unterstellt ist. Das ist auch eine Anspielung auf den Tarifkrach mit der Lokführergewerkschaft GDL 2007. Suckale managte den bis dato härtesten Arbeitskampf der Republik. Als „Außerirdische“ und „Super-Nanny“ hatte sie Manfred Schell von der GDL beschimpft, die kühl und analytisch denkende Juristin hatte sich aber nie provozieren lassen. Neben der Datenaffäre dürfte auch der Verzicht auf die Privatisierung Suckale zur Demission bewogen haben. „Mein Ziel war es immer, für eine börsennotierte Bahn zu arbeiten“, hat sie einmal gesagt.

Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky begrüßte ihren Schritt. „Sie trägt, ebenso wie der ehemalige DB-Chef Hartmut Mehdorn, die politische Verantwortung für den Datenskandal und muss daher auch die Konsequenzen ziehen, und zwar unabhängig von den allerletzten juristischen Nachweisen.“ Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Wegen seiner Krankheit gilt auch der Abschied von Konzern-Personalchef Hansen als sicher. Die Gewerkschaften streben an, dass es nur einen Nachfolger für beide Posten gibt. Dies soll den Verzicht auf die Teilprivatisierung untermauern. Carsten Brönstrup

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