Deutsche Bahn reagiert auf Fernbus-Konkurrenz : ICE wird zur Film-Bühne

Die Bahn will demnächst im ICE Filme wie im Flugzeug anbieten. Auch Spiele und Reise-Informationen sind geplant. Möglich machen soll es ein neues Portal - die Tests laufen.

Carsten Brönstrup
Reisen im Zug soll komfortabler werden. Internet-Verbindungen sollen stabiler werden, zudem werden bessere Unterhaltungsangebote getestet.
Reisen im Zug soll komfortabler werden. Internet-Verbindungen sollen stabiler werden, zudem werden bessere Unterhaltungsangebote...Foto: dpa

Den neuesten „Planet der Affen“-Film schauen, während draußen die Landschaft vorüberzieht? Oder lieber „Drachenzähmen leicht gemacht“, damit bei den Kleinen keine Langeweile aufkommt? Im Flugzeug ist das oft schon möglich – jetzt will die Deutsche Bahn nachziehen. „Im Rahmen eines Pilotprojektes prüfen wir, ob das technisch machbar ist“, sagte eine Sprecherin.
Ein neues Unterhaltungssystem will der Konzern in seine ICEs einbauen. Es soll nicht nur Filme anbieten, sondern auch Nachrichtensendungen, Spiele, Informationen zur Strecke, zur Pünktlichkeit der Züge und über Anschlussverbindungen am Bahnhof. Fahrgäste können sich das Angebot auf Smartphone, Tablet oder PC laden. Wer aussteigen muss, soll rechtzeitig einen Hinweis auf dem Portal bekommen. Sogar Essen soll man künftig im Zug vom Platz aus bestellen können.

Technisch ist das nicht ohne – deshalb hat es auch Monate gedauert, bis das System fertig war. „Das ist überhaupt noch nicht marktreif“, heißt es aber weiter in Bahn-Kreisen dazu. Doch es laufen bereits Tests auf zwei Verbindungen, demnächst auf dreien. Auf der Linie Hamburg-Berlin-Nürnberg-München können Reisende das Portal ausprobieren, ebenso zwischen Frankfurt am Main, Erfurt, Leipzig und Nürnberg und bald auch zwischen Frankfurt, Nürnberg, Passau und Wien. Die Tests sollen auch klären, ob die Passagiere bereit sind, für das Angebot zu bezahlen – und wenn ja, wie viel.
Auch in Sachen Kommunikation rüstet die Bahn derzeit auf. Bis Ende des Jahres sollen entlang der ICE-Strecken deutlich mehr Sender stehen, damit die Fahrgäste im Zug dauerhaft und stabil im Internet surfen können. Sie müssen dazu aber Extra-Beträge an die Telekom zahlen.
Dahinter steht die Strategie, das Reisen mit der Bahn komfortabler zu machen. Derzeit setzen der Eisenbahn die Fernbusse mit ihren Kampfpreisen stärker zu als erwartet. „Es ist klar, dass wir hier nicht dauerhaft werden mithalten können“, sagte ein hochrangiger Manager. Im September oder Oktober wird der Konzern vermutlich eine neue Preisrunde einläuten. Also bleibe nur die Aufwertung des Angebots – denn in den Fernbussen kann man das Internet meist nur eingeschränkt oder gar nicht nutzen, und zu essen gibt es nur Snacks.

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