Wirtschaft : Deutsche Bahn: So funktioniert ein Preissystem

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Die Deutsche Bahn AG musste mit ihrem Preissystem das Rad nicht neu erfinden. Sie hat sich an der Lufthansa-Tarifstruktur orientiert, welche die Fluggesellschaft schon vor mehr als zehn Jahren eingeführt hat. "Je früher ein Kunde sich für einen Flug entscheidet und je eher er bereit ist, in verkehrsarmen Zeiten zu reisen, desto günstiger ist der Preis", erklärt Christian Tillman, Chef-Preiskalkulator bei der Lufthansa in Frankfurt (Main), das Prinzip, das in der gesamten Branche Standard ist. Das klingt einfach, ist aber kompliziert umzusetzen: Die Fluggesellschaft fliegt 349 Zielorte in 94 Ländern an. Für diese Strecken gibt es rund 1,5 Millionen Preise - um die zu ermitteln, sind leistungsstarke Rechner nötig. Denn nach zurückgelegten Kilometern wird bei der Lufthansa nicht abgerechnet. "Für jede Zielgruppe gibt es maßgeschneiderte Preise - ein Preis ohne dazugehörige Buchungskonditionen ist eben nicht aussagefähig: Wer an einem Dienstagnachmittag fliegen will, das Ticket drei Monate im Voraus kauft und auf die Möglichkeit zur Umbuchung verzichtet, zahlt weniger als ein Geschäftsreisender, der einen Tag im Voraus bucht, morgens hin- und abends wieder zurückfliegen will", sagt Tillman. Der Flug von Berlin nach Paris und zurück kostet so zwischen 139 und 984 Euro.

Doch ist nicht Spontaneität für den Reisenden wichtiger als die Wahl zwischen verschiedenen Vergünstigungen - gerade bei der Bahn? Tillman: "Solche Preissysteme beinhalten beides, Vergünstigungen und Spontaneität - die hat freilich ihren Preis. Der Kunde muss entscheiden, was ihm wichtiger ist." Die Fluggesellschaft und demnächst auch die Bahn profitieren in jedem Fall - Jets und Züge sind besser ausgelastet.

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