Wirtschaft : Deutsche Bahn stoppt Talfahrt im Fernverkehr

Staatskonzern peilt Börsengang ab 2006 an

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Düsseldorf/Berlin (ek/HB/brö). Die Deutsche Bahn AG hat die seit Mitte letzten Jahres anhaltende Talfahrt im Personenfernverkehr im Februar erstmals gestoppt. Wie das Handelsblatt erfuhr, kann Bahnchef Hartmut Mehdorn in der Aufsichtsratssitzung am Freitag von einer „deutlichen Bewegung“ nach oben berichten. Nach einer monatelangen Talfahrt habe der Umsatz im Fernverkehr nahezu das Niveau vom Februar 2003 erreicht, liege aber knapp unter Plan. Der Verlust des gesamten Konzerns soll für 2003 bei etwa 200 Millionen Euro liegen. Und das, obwohl die Fernverkehrstochter DB Reise & Touristik AG einen Verlust von 470 Millionen Euro gemacht hat, vor allem wegen der Pleite mit dem neuen Preissystem.

Die Bahn hatte im Dezember 2002 eine neue Tarifstruktur eingeführt, die vor allem Stammkunden verärgert hatte und zu einem massiven Kundenschwund führte. Auch eine Reform der Preisreform im letzten Sommer war zunächst erfolglos. Bahnchef Mehdorn machte dafür die schlechte Konjunktur verantwortlich. Hinzu kamen katastrophale Pünktlichkeitsraten der Züge. Seit dem Fahrplanwechsel im letzten Dezember seien die Verspätungen jedoch zurückgegangen, hieß es jetzt in Unternehmenskreisen. Mehr als 90 Prozent aller Fernzüge würden heute weniger als fünf Minuten verspätet sein.

Derweil arbeiten Mitarbeiter von Bahn und Bund gemeinsam am Börsengang des Staatskonzerns. Im März 2006 könne das Unternehmen an den Kapitalmarkt gehen, sagte ein Sprecher. Dies sei ein „möglicher Fahrplan“, nachdem 2005 die Kapitalmarktfähigkeit erreicht sein solle. Die Entscheidung zu einem Gang aufs Parkett müsse allerdings der Eigentümer Bund fällen. Bahnchef Mehdorn strebt bislang an, den gesamten Konzern inklusive des Schienennetzes an die Börse zu bringen. In allen Fraktionen des Bundestages stößt dies bislang aber auf Widerstand.

Thema bei der Aufsichtsratssitzung am Freitag soll auch die Investitionsplanung des Unternehmens sein. Ob der Bau von Strecken verschoben werde und welche es dabei treffe, könne die Bahn jedoch erst entscheiden, wenn es definitive Zusagen der Politik über Investitionsmittel gebe. Dies sei derzeit noch nicht der Fall, hieß es bei der Bahn. Die Koalition peilt an, der Bahn in diesem Jahr 3,9 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen.

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