Deutsche Bahn : Streiks bei der Bahn im August

Die Beschäftigten der Bahn wollen bis zu sechs Prozent mehr Geld. Ohne Druck so befürchten die Gewerkschaften, wird es keine Einigung geben.

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Wie sich die Zeiten ändern. Mit einer Lohnforderung von rund 30 Prozent ging die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) vor drei Jahren an den Start und wirbelte dann über Monate immer wieder mal den Fahrplan der Bahn (DB) durcheinander. Am Donnerstag beschloss die Gewerkschaft eine neue Tarifforderung: fünf Prozent. Damit bleiben die Lokführer sogar hinter den beiden anderen Bahngewerkschaften Transnet und GDBA zurück, die sechs Prozent mehr Geld für ihre 125 000 Beschäftigten im DB-Konzern wollen. Unter den GDL-Tarif fallen bei der DB 23 000 Lokführer.

Ihre relative Bescheidenheit begründet die GDL selbst mit einem „Paradigmenwechsel“. Und der hat einen besonderen Namen: Bundesrahmen-Lokomotivführertarifvertrag, abgekürzt BuRa-LfTV. Mit diesem neuen Vertrag will die GDL alle Lokführer einfangen, also nicht nur die der Bahn, sondern auch die Kollegen bei den Konkurrenten der Bahn. „Unser Ziel ist ein gleiches Lohnniveau für alle Lokomotivführer in Deutschland“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Donnerstag. Bis dahin ist der Weg weit, denn bei manchen privaten Bahnen verdienen die Lokführer nach Angaben Weselskys fast ein Drittel weniger als bei der Bahn.

Rund 300 Wettbewerber hat die Bahn inzwischen auf der Schiene, der ganz überwiegende Teil davon ist im Güter- und Nahverkehr tätig. Doch in beiden Bereichen kommt die Bahn noch immer auf einen Marktanteil von knapp 80 Prozent.

Auch die große Bahngewerkschaft Transnet/GDBA versucht bei den privaten Bahnen ins Tarifspiel zu kommen und hat dazu bereits im Februar mit den entsprechenden Arbeitgeberverbänden außerhalb der Bahn Gespräch geführt - ergebnislos. Ohne Druck wird sich die andere Seite nicht auf einen Tarif einlassen, der im Ergebnis ja die Lohnkosten erhöht. Transnet/GDBA bereitet deshalb Streiks im August vor. Ende Juli läuft die Friedenspflicht bei der Bahn ab. Und damit die Streiks auch schmerzen und die Kunden nicht von einer (privaten) Bahn auf eine andere (staatliche) Bahn umsteigen können, werden Transnet/GDBA alle Bahnen gleichzeitig bestreiken.

Die Strategie der GDL ist ähnlich, Bahn und deren Wettbewerber werden gleichzeitig bestreikt. Allerdings nicht gleichzeitig mit den Streiks von Transnet/GDBA, weil die Lokführergewerkschaft viel Wert legt auf ihr Alleinstellungsmerkmal und deshalb allein marschiert. Bei der Bahn haben beide Gewerkschaften einen hohen Organisationsgrad. So sind nach eigenen Angaben 83 Prozent der Bahn-Lokführer bei der GDL Mitglied und kommen also als Arbeitskampftruppe infrage.

Bei den privaten Bahnen, die größten sind Abellio, Arriva, Benex, Keolis und Veolia, sind es deutlich weniger. Doch nach Auskunft der GDL „haben wir einzelne Privatbahnen fest in unserer Hand“. Diese Bahnen wird die Gewerkschaft dann lahmlegen – damit die betroffenen Bahnen Druck machen auf den Arbeitgeberverband, einen Tarifkompromiss mit den Gewerkschaften zu finden. Und so den Streik zu beenden. Das alles wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen und vor allem den DB-Konzern wieder stark belasten. Und da sich die Gewerkschaften sozusagen abwechseln im Arbeitskampf, droht ein pausenloser Konflikt.

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