Deutsche Bahn : Streiks bei der Eisenbahn frühestens im Oktober

Eisenbahnkunden im Regionalverkehr müssen sich ab Oktober auf Arbeitskämpfe einstellen: Die Gewerkschaften setzen Privatbahnen Ultimatum – binnen zwei Wochen soll es einen Branchenlohn geben.

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Berlin - Die Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA haben die großen Privatbahnen am Mittwoch aufgefordert, bis Ende September einem Branchentarifvertrag zuzustimmen. Anderenfalls werde es im Oktober Streiks geben, wie die Tarifkommissionen beider Organisationen erklärten.

Am Dienstag hatten Transnet und GDBA mit den Bahn-Firmen Keolis, Arriva, Veolia, Benex und Abellio über ein einheitliches Bezahlniveau im Schienen-Regionalverkehr verhandelt. Die Arbeitnehmer wollen für die 10 000 Beschäftigten das gleiche Lohnniveau wie beim Marktführer Deutsche Bahn. Die Verhandlungen waren aber „sehr enttäuschend“ verlaufen, hieß es in beiden Lagern. Die Arbeitgeber hatten zwar ein erstes Angebot für einen Tarifvertrag vorgelegt. Das dort gebotene Niveau war den Gewerkschaften aber zu niedrig, es lag nach ihren Angaben bei 77 Prozent der Bahn-üblichen Bezahlung. „Verhandlungen auf der Grundlage der bisherigen Arbeitgeberangebote fortzusetzen, macht keinen Sinn“, erklärten die Arbeitnehmervertreter daher. Sie verlangen einen Vertrag mit einer Bezahlung, wie sie bereits für 90 Prozent der Branchenbeschäftigten gelte.

Die Privatbahnen kritisierten ihrerseits, die Gewerkschaften seien nicht bereit, über das Angebot überhaupt zu reden. Dabei liege es nur wenige Prozentpunkte unter dem Bahn-Niveau. Es sei unverständlich, in diesem Stadium der Verhandlungen bereits mit Arbeitskämpfen zu drohen, hieß es in Arbeitgeberkreisen.

Ein Branchentarifvertrag soll verhindern, dass die Löhne im Wettbewerb zwischen Deutscher Bahn und privater Konkurrenz sinken. Den Privatbahnen gelang es in der Vergangenheit immer häufiger, der Deutschen Bahn im Nahverkehr Marktanteile abzunehmen. Die Gewerkschaften beziffern den Lohnkostenabstand zur Bahn auf bis zu 30 Prozent, was die Unternehmen bestreiten. Erst wenn es eine Branchenlösung gibt, wollen die Gewerkschaften über höhere Löhne verhandeln – bis dahin müssen auch die Bahn-Beschäftigten auf Zuschläge warten.

Gibt es in den kommenden zwei Wochen bei den Arbeitgebern keine Bewegung, wollen die Gewerkschaften noch einmal ein Gespräch zwischen ihren Spitzen und den Chefs der Privatbahnen ansetzen. Dann folgen Arbeitskämpfe. Mögliche Streiks könnten die wichtigen Strecken im Regionalverkehr treffen. Einige der Privatbahnen sind auch in der Hauptstadtregion aktiv.

Mit der Lokführergewerkschaft GDL sind die Privatbahnen dagegen auf Konsenskurs. Ebenfalls am Mittwoch vereinbarten beide Seiten tarifliche Mindestbedingungen, die in Regional- sowie in Fern- und Güterzügen gelten sollen. Details werden in Haustarifverträgen geregelt. Carsten Brönstrup

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