Wirtschaft : Deutsche Bahn: Tarifforderung gefährdet Beschäftigungspakt

Berlin/Paris - Die Deutsche Bahn hat die Gewerkschaften vor neuen Tarifverhandlungen vor einer Gefährdung des Beschäftigungspakts gewarnt. Die bisherigen Forderungen „stellen die Finanzierung des Beschäftigungsbündnisses ernsthaft in Frage“, sagte Margret Suckale, Personalvorstand der Bahn, am Montagabend. Voraussetzung für die zwei Jahre alte Vereinbarung, wonach bis zum Jahr 2010 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind, seien moderate Tariferhöhungen gewesen. Die Gewerkschaften würden nun die vereinbarte Linie verlassen, kritisierte Suckale. So werde die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn gefährdet, schließlich sei das Lohnniveau bei den Wettbewerbern häufig deutlich niedriger.

Am heutigen Dienstag beginnen die Gespräche mit den beiden größten Bahngewerkschaften Transnet und GDBA. Sie fordern für die 134 000 Tarifbeschäftigten der Bahn eine Einkommenserhöhung von sieben Prozent, bei unteren Einkommen von mindestens 150 Euro. Die kleinere Lokführergewerkschaft GDL will einen eigenen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und fordert ein Plus von bis zu 31 Prozent. Separate Verhandlungen lehnt die Bahn jedoch ab. Am 30. Juni läuft die Friedenspflicht aus. Kurz vorher wird eine Gerichtsentscheidung darüber erwartet, ob die GDL-Forderung nach einem Spartentarifvertrag rechtens ist. Ab Juli sind Streiks möglich.

Erfolge verzeichnet die Bahn beim Ausbau ihres Engagements beim grenzüberschreitenden Verkehr. Der Konzern übernehme zehn Prozent der Anteile am europäischen Hochgeschwindigkeitszug Thalys, wurde am Montag mitgeteilt. Bisherige alleinige Eigentümer waren die französische (SNCF) und die belgische Bahn (SNCB). Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Der Thalys, der auf dem französischen Zug TGV basiert, fährt zwischen Köln beziehungsweise Amsterdam und Brüssel bis nach Paris. Künftig hält die SNCF 62 Prozent, die SNCB 28 Prozent. Seit dem 10. Juni kooperiert die Deutsche Bahn mit der französischen SNCF bei Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen Frankfurt am Main beziehungsweise Stuttgart und Paris. Von Stuttgart fährt der TGV, von Frankfurt der deutsche ICE. Die Bahnen wollen mit einer engeren Kooperation ihr Angebot verbessern und den Fluggesellschaften Paroli bieten. hop/AFP

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