Wirtschaft : Deutsche Bahn: Vorstand wird Personalplanung korrigieren

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Mit einem detaillierten Sanierungskonzept des Vorstandes der Deutschen Bahn AG wird zwar erst im Frühjahr des kommenden Jahres gerechnet. Über die Entwicklung der Personalzahlen entscheiden die Aufsichtsgremien des staatlichen Unternehmens allerdings schon jetzt. Nachdem in den vergangenen Tagen bei mehreren Bahn-Gesellschaften ein Antrag auf einen Stopp des Arbeitsplatzabbaus bereits durch das Veto der Arbeitgebervertreter im Aufsichtsrat abgelehnt worden war, wurde auch für die Aufsichtsratssitzung der Holding am Mittwoch mit einer solchen Kampfabstimmung gerechnet. Der Sprecher der größten Bahn-Gewerkschaft Transnet, Hubert Kummer, sagte im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung, es werde sicherlich zu einer Kampfabstimmung kommen.

Der Chef der Bahn-Gewerkschaft, Norbert Hansen, rechnet sogar damit, dass der beabsichtigte Personalabbau so lange gestoppt bleibt, bis die Bahn klare Umsatzzahlen definieren kann. Dies hat der Vorstand für März kommenden Jahres angekündigt. Die Gewerkschaft wollte einen entsprechenden Antrag im Aufsichtsgremium am Mittwoch einbringen. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte Mitte November einen harten Sanierungskurs angekündigt. Die Bahn rechnet bis 2004 mit aufgelaufenen Verlusten von vier bis fünf Milliarden Mark. Kumuliert könnten die Prognosen für das Betriebsergebnis bis 2005 um 20 Milliarden Mark verfehlt werden.

Am Mittwoch konnte sich Bahnchef Mehdorn bei den Anteilseignern für seinen Sanierungskurs erst einmal durchsetzen. Der von Norbert Hansen geforderte Stopp beim Personalabbau bis März nächsten Jahres sei in einer Kampfabstimmung mit der Zweitstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden Dieter Vogel abgelehnt worden, teilte Transnet nach der Gremiumssitzung mit. Die Deutsche Bahn AG werde ihre Personalplanung korrigieren. Insbesondere ein von der Unternehmensberatung McKinsey empfohlener Abbau von 120 000 Arbeitsplätzen bis 2015 stelle kein Unternehmensziel dar, teilte die Bahngewerkschaft mit.

Im Bahn-Konzern waren Ende September 228 000 Mitarbeiter und 11 600 Auszubildende beschäftigt. Betriebsbedingte Kündigungen sind bei der Bahn ausgeschlossen.

Sorgen bereitet dem Bahnvorstand nicht nur die Regelung zu betriebsbedingten Kündigungen. Das Staatsunternehmen schleppt zudem seit Jahren Beamte in großer Zahl mit. Um ihnen den Vorruhestand schmackhafter zu machen, will der neue Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) diesen Teil des Personalabbaus mitfinanzieren. Zum Wochenanfang kündigte Bodewig an, mit den Mehrerlösen aus dem Verkauf der Eisenbahnerwohnungen von rund 500 Millionen Mark einen Teil der Vorruhestandsregelungen für Beamte der Bahn zu bezahlen. Rund 7100 Eisenbahner könnten damit bereits im kommenden Jahr in den Vorruhestand gehen.

Unklar ist derzeit auch der Tarifvertrag der Bahn mit der Gewerkschaft Transnet zum Personalabbau im Unternehmen. Zwar wurde der Vertrag in den vergangenen Monaten unterschriftsreif verhandelt. Doch die Ankündigungen von Bahnchef Mehdorn, die Ergebniserwartung der Bahn für die kommenden Jahre müsste gravierend geändert werden, hat Transnet dazu veranlasst, ihre Unterschrift vorerst zu verweigern. Wahrscheinlich ist der Tarifabschluss jetzt erst nach dem kommenden März zu erwarten, wenn der Vorstand der Bahn sein Sanierungskonzept vorgestellt hat.

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