Deutsche Bahn : Wenn Ameisen an die Börse gehen

Bahn und Börse, das ist die selbstverständlichste Kombination der Welt, befindet der Bahn-Chef und verweist auf den amerikanischen "Eisenbahnindex“ von 1884, den "ältesten Aktienindex“ überhaupt. Wie Hartmut Mehdorn für Aktien der Bahn wirbt.

Katja Reimann

BerlinMit einer Ameise hat Hartmut Mehdorn vermutlich noch niemand verglichen. Dabei gibt es eine Menge Parallelen zwischen dem kantigen Chef der Deutschen Bahn und dem ebenso krabbeligen wie kräftigen Insekt. Findet zumindest Manfred Krause, Bereichsvorstand der Düsseldorfer Bank HSBC Trinkaus: In der Logistikbranche transportierten Arbeiter wie Mehdorn und seine Mannen fleißig Güter von A nach B, rastlos und im Team – wie Ameisen eben. Ob sich der Konzernchef ob des Vergleiches eher geschmeichelt oder herabgesetzt fühlte, sagte er am Donnerstagabend nicht. Er nutzte aber die Vorlage, um vor Finanzexperten im Hamburger Bahnhof in Berlin sein Unternehmen, die Bahn, als erfolgreiches Logistikunternehmen zu preisen. Nicht ohne Grund: Mehdorn läuft sich warm für den Teil-Börsengang der Bahn im Herbst, auf den er schon so lange hinarbeitet. Nachdem die Politik nun die Weichen gestellt hat, beginnt die Werbetour – damit sich eine möglichst ameisengleiche Investorenschar für die Aktie begeistern möge.

Bahn und Börse, das sei die selbstverständlichste Kombination der Welt, befand Mehdorn und verwies auf den amerikanischen „Eisenbahnindex“ von 1884, den „ältesten Aktienindex“ überhaupt. Selbst US-Milliardär Warren Buffett habe sich kürzlich mit derlei Papieren eingedeckt. Der Bahn-Börsengang sei ein „alternativloser Schritt“. Der Umbau der früheren Behörde seit 1994 habe zwar viele Opfer gefordert. Heute arbeite man dafür mit der Hälfte der einstigen Belegschaft doppelt so effizient. Solche Daten, das weiß Mehdorn, lieben die Finanzmenschen.

Für sie hatte er eine Menge Zahlen parat: 2007 habe die Bahn 2,4 Milliarden Euro eingenommen und sei im Güterverkehr schon jetzt so groß, wie es erst für 2012 prognostiziert worden sei. „Wir haben aus dem Unternehmen Bahn einen Dienstleister gemacht und den Kunden in den Mittelpunkt gestellt“, warb Mehdorn. Man könne um fünf bis sechs Prozent im Jahr wachsen. Allein die begrenzte „Kapazität der Gleise“ stehe dem entgegen. Doch auch daran arbeite man.

Um Reisen und Transporte auch über Europa hinaus zu ermöglichen, habe die Bahn zahlreiche ausländische Transportfirmen gekauft. In mehr als 130 Ländern sei sie „stark vernetzt“. „Die Bahn heute hat mit der von gestern nichts mehr zu tun“, beteuerte Mehdorn und prophezeite angesichts des Klimawandels eine „Renaissance“ der Bahn. Der Börsengang sei eine günstige Gelegenheit, seinen Platz in der Welt abzusichern. „Noch“, versicherte er den Zuhörern, „existieren keine Wettbewerber“. Katja Reimann

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