Deutsche Bahn : Wieder dicke Luft im ICE

Die Bahn bekommt die Probleme mit Klimaanlagen nicht in den Griff – Kunden geben dem Bund eine Mitschuld. Der Fahrgast-Verband Pro Bahn hat sogar Lob für die Bahn übrig.

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Heißes Eisen. Noch immer hat die Bahn die Probleme mit den Klimaanlagen nicht im Griff. Dabei sollte es ab Juni besser werden. Foto: dpa
Heißes Eisen. Noch immer hat die Bahn die Probleme mit den Klimaanlagen nicht im Griff. Dabei sollte es ab Juni besser werden....Foto: dpa

Berlin - Bei der Bahn herrschte eitle Vorfreude. „Der Sommer kann kommen“, ließen die Werbeleute am Sonntagmittag wissen. Per E-Mail-Rundschreiben wiesen sie auf neue Sonderangebote hin, wünschten „viel Spaß bei Ihrer nächsten Urlaubsreise“ und „tolle Reiseinspirationen“. Für viele Passagiere war an dem Tag eher Transpiration angesagt: In 16 Zügen versagten die Klimaanlagen – meist in einzelnen Wagen, in einem Fall im kompletten Zug. So etwas könne immer wieder passieren, erklärte Personenverkehrs-Vorstand Ulrich Homburg am Montag. Angesichts von 3300 klimatisierten Wagen sei dies nicht auszuschließen.

Der Zug mit dem Komplettausfall konnte seine Fahrt nach 47 Minuten mit reparierter Klimaanlage fortsetzen. Vier weiteren Zügen hätten wegen des starken Andrangs von Reisenden „teilgeräumt“ werden müssen, hieß es. Es kam zu Verspätungen. Betroffen waren vor allem ICE-Züge der zweiten Generation, aber auch andere Baureihen. Für die betroffenen Fahrgäste gebe es Entschädigungen. Am Montag war die Lage offenbar weniger heiß – bis zum frühen Abend gab es keine Meldungen über größere Probleme.

20 Jahre ICE - reisen, rasen, schwitzen, warten
ICE - drei Buchstaben, die den Zugverkehr in Deutschland verändern. Am 2. Juni 1991 nimmt die Deutsche Bahn mit den ersten Intercity-Express-Zügen (ICE) ihre Hochgeschwindigkeitsflotte in Betrieb.Weitere Bilder anzeigen
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01.06.2011 18:12ICE - drei Buchstaben, die den Zugverkehr in Deutschland verändern. Am 2. Juni 1991 nimmt die Deutsche Bahn mit den ersten...

Die Vorfälle erinnern an den Juli 2010, als angesichts der Hitze bei insgesamt 53 Zügen die Kühlung ausfiel. In einem ICE kollabierten Schüler sogar und mussten von Ärzten betreut werden. Vor allem die Strecke Berlin-Hannover war betroffen. Der Unmut war damals so groß, dass sich Vorstandschef Rüdiger Grube im Verkehrsausschuss des Bundestages rechtfertigen musste. Angesichts der Brisanz des Thema prüfte er die Pressemitteilung am Montag äußerst intensiv, bevor er sie freigab, wie es im Bahn-Tower hieß.

Für die Bahn sind die Zwischenfälle besonders peinlich, weil sie seit vergangenem Jahr daran arbeitet, die Klimaanlagen zuverlässiger zu machen. Dabei war es am Sonntag nicht einmal so heiß wie im vergangenen Juli, das Thermometer zeigte um die 31 Grad. Personenverkehrs-Chef Homburg hatte im Mai angekündigt, dass durch mehrere Reparaturen die Wahrscheinlichkeit eines Defekts „sehr deutlich reduziert“ werden sollte. Bei Temperaturen von bis zu 38 Grad würden die Anlagen zuverlässig arbeiten.

Im vergangenen Jahr hatte die Bahn damit begonnen, die Wartung der Klimaanlagen zu verändern, störanfällige Komponenten zu tauschen, die Software zu überarbeiten und die Gebrauchsanweisungen für das Zugpersonal zu schärfen. Diese Maßnahmen treffen in erster Linie die 44 ICE 2. Sie werden zusätzlich bis Ende 2013 für 100 Millionen Euro generalüberholt. Neben einem moderneren Interieur werden auch einige neu konzipierte Bauteile für die Klimaanlagen eingebaut. Danach soll die Kühlung sogar bis zu 46 Grad Außentemperatur schaffen.

Die Politik ging mit der Bahn hart ins Gericht. „Man fragt sich, was das ganze Gerede des Vorstandschefs Grube vom Brot- und Buttergeschäft soll“, sagte Anton Hofreiter, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, dem Tagesspiegel. „Man bekommt den Eindruck, die können es nicht besser.“ Ihn befalle eine gewisse Verzweiflung, wenn das Unternehmen am ersten warmen Tag des Jahres die gleichen Probleme habe wie vor einem Jahr.

Der Fahrgast-Verband Pro Bahn machte die Regierung für die Ausfälle mitverantwortlich. Die Dividende von 500 Millionen Euro, die der Bund von dem Konzern verlangt, fehlten beim Aufbau von Werkstatt-Kapazitäten. „Deshalb dauert es zwei Jahre, bis die ICE-2-Züge aufgearbeitet sind“, befand ein Sprecher. Die Bahn wies dies zurück und erklärte, der Konzern investiere in die Werkstätten, etwa in Berlin-Rummelsburg.

Pro Bahn hatte aber auch Lob für die Bahn übrig. Grundsätzlich informiere sie besser, auch gebe es bei Problemen genügend Wasser für die Fahrgäste. „Die haben dazugelernt.“ Der Verband riet Kunden, die jedes Risiko meiden wollten, in den Reisezentren nach Verbindungen ohne den ICE 2 zu fragen. Die Züge werden vor allem auf den Strecken München-Hamburg sowie Berlin-Köln eingesetzt.

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