Wirtschaft : Deutsche Bahnindustrie: Mehr Aufträge aus dem Ausland

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Nach Jahren der Flaute mit zum Teil herben Verlusten blickt die deutsche Bahnindustrie wieder optimistischer in die Zukunft. "Die Talsohle ist durchschritten, wir gehen jetzt in einen stabilen Zustand über, wenn auch noch auf relativ niedrigem Niveau", sagte Dieter Klumpp, Präsident des Branchenverbandes VDB am Dienstag in Frankfurt. Bei Achsen und Rädern gebe es zum Teil wieder Lieferzeiten von zwölf Monaten.

Grund für die Zuversicht sind gute Geschäfte der 79 im Verband organisierten Firmen im Ausland, aber auch immer mehr Aufträge der Bahn, des größten Kunden der deutschen Bahnindustrie. "Der Investitionsstau bei der Bahn AG löst sich langsam auf", sagte Klumpp. 40 Prozent der Bestellungen der Deutschen Bahn gehen im Schnitt an die Bahnindustrie in Deutschland. Entsprechend erfreut ist Klumpp über die von der Bahn bis 2005 geplanten Investitionen in Höhe von 80 Milliarden Mark. Damit werde ein wesentliches Anliegen des VDB erfüllt: Die Aufträge flössen stetiger. "Dies ist eine erfreuliche Weichenstellung in Richtung Planungssicherheit für die Auslastung der Kapazitäten", sagt Klumpp, im Hauptberuf Geschäftsführer der Alstom LHB.

Als Beleg für das wieder bessere Verhältnis zur Bahn betrachtet Klumpp die wieder engere Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung sowie die Kooperation bei der Erprobung neuer Züge und Loks im praktischen Betrieb. In der Vergangenheit wurden die Beziehungen durch technisch fehlerhafte Produkte beeinträchtigt - etwa die immer wieder aufgetretenen Mängel bei Neigetechnik-Zügen.

Wieder bessere Geschäfte im Inland mit der Bahn AG, aber auch mit privaten Bahn-Unternehmen sind für Klumpp unverzichtbare Voraussetzung für höhere Aufträge im Ausland. Dies hat sich nach Ansicht des VDB-Präsidenten gerade im letzten Jahr gezeigt. Produkte der deutschen Bahnindustrie seien auch jenseits der Grenzen wieder stärker gefragt. Als Beleg betrachtet er den Bau des Transrapids in Shanghai. Gespräche über weitere Aufträge für die Magnetbahn in China liefen bereits. Beispiele seien aber auch die Lieferung des ICE nach Spanien oder Aufträge für Doppelstockwagen aus den Niederlanden oder auch für Loks aus Großbritannien.

Alle Sorgenfalten sind allerdings noch nicht aus Klumpps Gesicht verschwunden. Die Investitionen in die Infrastruktur und vor allem in das zum Teil überalterte Schienennetz hierzulande seien noch zu niedrig. Zudem bereite der anhaltende Preisverfall für Loks, Waggons und Züge große Probleme. "Der Marktpreis für Schienenfahrzeuge liegt heute in Deutschland deutlich unter dem Weltmarktniveau." Dies hat nach Aussagen des VDB-Präsidenten mehrere Folgen: Arbeitsplatzbau und Rationalisierungen, Fusionen und Firmenübernahmen und die Verlagerung von Teilen der Produktion, etwa von einfachen Güterwagen, nach Osteuropa. Deshalb hat die deutsche Bahnindustrie im vergangenen Jahr erneut rund 2500 Stellen gestrichen, ein Minus von 7,2 Prozent auf derzeit noch gut 31 500. Angesichts anziehender Aufträge rechnet Klumpp in diesem Jahr aber mit einer stabilen Beschäftigung, allenfalls mit einem leichten Abbau.

Insgesamt erreichte die deutsche Bahnindustrie im vergangenen einen Umsatz von 15,8 Milliarden Mark, gut 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 1995 hatte der Umsatz noch bei 8,2 Milliarden Mark gelegen. Der Auftragseingang kletterte im Jahr 2000 um gut 13 Prozent auf 13,9 Milliarden Mark.

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