Deutsche Bank : Abschied vom Ackermann-Reflex

Seit 2002 ist Josef Ackermann das Gesicht der Deutschen Bank – und des Kapitalismus. Jetzt geht er, eine Doppelspitze soll ihm folgen. Und vielleicht werden ihm manche noch eine Träne nachweinen.

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Ich bin eins, zwei, drei Deutsche Banken. Josef Ackermann hat sich bei der Deutschen Bank unersetzlich gemacht oder lässt es wenigstens so aussehen. Foto: Reuters
Ich bin eins, zwei, drei Deutsche Banken. Josef Ackermann hat sich bei der Deutschen Bank unersetzlich gemacht oder lässt es...Foto: REUTERS

Es ist etwas passiert mit Josef Ackermann. In der vorletzten Woche saß der Deutsche-Bank- Chef neben Finanzminister Wolfgang Schäuble. Sie sprachen über Griechenland, sie verkündeten eine Lösung. Die privaten Banken werden sich mit zwei Milliarden Euro an dem neuen Rettungspaket beteiligen, erklärte Schäuble, er wirkte erleichtert. Ackermann, neben ihm, hatte die Hände gefaltet, ganz Staatsmann. Selbstverständlich sei man sich der Verantwortung für die Euro-Zone bewusst, sagte er. Dann faltete er sie wieder, die Hände.

Es waren dieselben Finger, die vor sieben Jahren diese verfluchte Geste geformt haben, das Victory-Zeichen, das ihm so lange nachhing.

Josef Ackermann, seit 2002 das Gesicht der Deutschen Bank, ist mehr als nur ein Manager. Für die Deutschen ist er der Mensch gewordene Kapitalismus. An seinem Gehalt, zuletzt soll es neun Millionen Euro betragen haben, entzündet sich immer wieder ihre Wut über die Ungerechtigkeit der Welt. Auf seine Person projizieren sie ihre Angst vor Globalisierung, Wettbewerb und einer Gesellschaft, in der nichts mehr zählt als Leistung, in der das Gewissen dem Gewinn stets unterlegen ist.

In der Ära Ackermann hat sich eine Art Reflex herausgebildet, der Ackermann- Reflex. Dahinter steckt nicht nur das Bedürfnis, einen Schuldigen für all die Krisen benennen zu wollen, sondern auch der Wunsch, den Kapitalismus zu zähmen. Die Politik bedient diesen Reflex nur allzu gerne, nicht nur die Linke. Auf die „Ackermänner dieser Welt“ wird oft geschimpft und so getan, als lasse man sich nicht länger von den Experten des Geldes auf der Nase herumtanzen.

Jetzt steht Josef Ackermanns Abgang bevor. Das zeigt sich daran, dass es eine Nachfolge für ihn zu geben scheint. Noch hat der Aufsichtsrat nicht entschieden, doch aus vielen Quellen verlautete bereits, dass der Vorstandsvorsitzende den Machtkampf mit Aufsichtsratschef Clemens Börsig verloren hat. An seine Stelle wird Anshu Jain treten, der Inder, der Investmentbanker aus London. Zwar nicht allein, vorerst soll ihm Deutschland-Chef Jürgen Fitschen zur Seite stehen. Fitschen aber ist schon 62, nur ein Jahr jünger als Ackermann selbst. „Nach einer Übergangszeit wird Jain alleine an der Spitze stehen“, behauptet Matt Clark vom Investmenthaus Keefe Bruyette & Woods.

Das war Börsigs Wunsch, der von Ackermann war es ausdrücklich nicht. Er wäre gern vom Vorstand in den Aufsichtsrat gewechselt, um dort weiter den Staatsmann zu geben. Wie man hört, wäre das wohl auch dem einen oder anderen Regierungsmitglied lieber gewesen. Mitten in der Euro-Krise, wo die Märkte ständig verrückt spielen, wünscht man sich nichts sehnlicher als Kontinuität.

Aus Sicht der Bank könnten die neuen Herren das perfekte Team werden: Der 48-jährige Investmentbanker verdient das Geld, der Deutschlandchef pflegt den Kontakt zur Politik und sorgt dafür, dass die Verbindung zwischen London und Frankfurt nicht abreißt. Die beiden mögen sich, heißt es in Bankkreisen, und das ist eine gute Voraussetzung für eine Doppelspitze, die gemeinsam regiert, nicht gegeneinander.

Wie sich das Bankgeschäft verändert hat, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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