Wirtschaft : Deutsche-Bank-Aktionäre schäumen

Josef Ackermann muss sich auf der Hauptversammlung den aufgebrachten Anteilseignern stellen

Rolf Obertreis,Daniel Rhee-Piening

Berlin/Frankfurt (Main) - Die Aktionärsschützer bereiten sich auf den Angriff vor. Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank am Mittwoch in Frankfurt (Main) wollen sie ihrem Ärger über die Vorkommnisse der jüngsten Zeit Luft machen. Vor allem Vorstandssprecher Josef Ackermann, aber auch Aufsichtsratschef Rolf E. Breuer müssen sich auf heftige Kritik gefasst machen.

Im Mittelpunkt steht natürlich das blamable Gezerre um die Postbank. An der Börse wurde am Dienstag schon mal die Aktie abgestraft. Der Kurs gab um 1,8 Prozent auf 63,61 Euro nach.

Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz stellt im Zusammenhang mit den Vorgängen um die Postbank die Frage, wie strikt der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann eigentlich seine Führungsaufgabe wahrnehme. „Oder ist die Bank gar führungsschwach?“ fragt Nieding. Auch das Verhältnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat müsse thematisiert werden und das Management müsse die Frage beantworten, wo die Bank eigentlich im In- und Ausland stehe. Schließlich wird auch das Geld eine Rolle spielen. Etwa wie viel von der Substanz verkauft wurde, um Ausschüttungen und Boni zu finanzieren.

Seine Kollegin von der Schutzgemeinschaft der Kleinanleger (SdK) will dem nicht nachstehen. Reinhild Keitel hatte bereits nach dem Gerücht, die Deutsche Bank wolle die Postbank kaufen, gefordert, die Deutsche Bank solle sofort aus dem Konsortium aussteigen. Den Schaden sieht sie vor allem bei den Post-Aktionären. Für die Hauptversammlung hat Keitel jedenfalls „eine heftige Diskussion“ angekündigt.

Auch mehrere Kleinaktionäre wollen mit Gegenanträgen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat verhindern. Kritisiert wird insbesondere das Jahresgehalt von Ackermann, das im vergangenen Jahr um 60 Prozent auf mehr als elf Millionen Euro gestiegen ist. Der Würzburger Wirtschaftswissenschaftler Ekkehard Wenger hat sich ebenfalls angesagt. Er wirft der Deutschen Bank vor, sie habe als Großaktionär von Daimler-Chrysler das Management des Autokonzerns nicht unter Kontrolle. Einen Abstimmungserfolg werden die Ackermann-Gegner aber angesichts der Eigentumsverhältnisse nicht erringen. Die Deutsche Bank hat 500000 Aktionäre.

Auffällig ruhig verhalten sich dagegen die großen Fondsgesellschaften. Bei der DIT, der Fondsgesellschaft der Dresdner Bank, hält man nichts von Redebeiträgen auf der Hauptversammlung. „Natürlich werden wir dort vertreten sein und auch an den Abstimmungen teilnehmen“, sagt ein Sprecher. „Aber ein Redebeitrag von fünf oder zehn Minuten verpufft doch nur“. Die DIT bevorzugt das direkte Gespräch mit dem Vorstand. Die Deka Bank, die für die Sparkassen die Deka-Fonds managt, wird auf der Hauptversammlung gar nicht vertreten sein. „Wir nehmen unser Rederecht nur selektiv wahr“ sagt ein Sprecher.

Auch Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, wird auf der Hauptversammlung nicht anwesend sein. „Und“, sagt Sprecher Rolf Drees, „für uns stehen die Zahlen im Vordergrund“. Und die sähen doch gar nicht so schlecht aus. Drees verweist darauf, dass der Aktienkurs der Deutschen Bank im vergangenen Jahr um 53,6 Prozent gestiegen sei, der Dax im gleichen Zeitraum nur um 37,1 Prozent. Auch die Bilanz der vergangenen drei Jahre kann sich einigermaßen sehen lassen. In diesem Zeitraum gab der Aktienkurs der Bank zwar um 7,9 Prozent pro Jahr nach, der Dax aber verlor jedes Jahr 14,9 Prozent. Die Deutsche Bank sei auch den Forderungen von Union nachgekommen, habe Tafelsilber verkauft und sich zunehmend auf das Kerngeschäft konzentriert. „Da muss sie jetzt aber auch Geld verdienen“, fordert Drees.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben