Deutsche Bank : Alles für den Mittelstand

Die größte deutsche Bank entdeckt ihre Kunden neu - auch den Mittelstand. In Berlin bekommen Unternehmer jetzt eine Rundum-Versorgung.

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Metropolenbank. Mit rund 4000 Mitarbeitern – darunter 450 bei der Tochter Berliner Bank – ist Berlin im Deutsche-Bank-Konzern weltweit der fünftgrößte Standort.
Metropolenbank. Mit rund 4000 Mitarbeitern – darunter 450 bei der Tochter Berliner Bank – ist Berlin im Deutsche-Bank-Konzern...Foto: Jochen Zick / Keystone

Es waren nachdenkliche Töne, die man vor gut einem Jahr in der Deutschen Bank hören konnte. Von einer „Neubesinnung“ war die Rede, als die Chefs des größten deutschen Geldhauses, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, in Frankfurt am Main ihre „Strategie 2015plus“ skizzierten: Der Bank, die ihr Vorgänger Josef Ackermann jahrelang auf Rendite und das Big Business getrimmt hatte, verordnete das Führungsteam nichts weniger als einen Kulturwandel. Der Kern der neuen Bescheidenheit, die mit einem ambitionierten Kostensenkungsplan einhergeht: Die Deutsche Bank konzentriert sich wieder stärker auf den deutschen Heimatmarkt und will näher bei ihren Kunden sein. Zurück zu den Wurzeln also.

In Berlin, wo die Bank 1870 gegründet worden ist, trägt das neue Konzept nun Früchte. „Wir wollen unser Haus in der Region und für die Kunden wieder erlebbarer machen“, sagt Harald Eisenach. Eisenach ist seit 31 Jahren bei der Deutschen Bank, er war lange in Tokio und leitete dann das Firmenkundengeschäft in Berlin. Seit Juli ist der Banker Chef der Regionalen Geschäftsleitung Ost – einer von bundesweit fünf – und damit verantwortlich für das gesamte Geschäft in Berlin und in den ostdeutschen Bundesländern. Die Regionalisierung steht nicht nur auf dem Papier. Viele Entscheidungen über Budget, Preise und Konditionen werden jetzt nicht mehr zentral in Frankfurt, sondern vor Ort in den Filialen getroffen. Das spart Zeit und schafft Nähe.

Ein Vorteil, findet Eisenach. „Wir können vor Ort entscheiden und wir sind lokal lieferfähig“, sagt der Regionalchef. Dafür sorgt in Berlin ein neues, siebenköpfiges Führungsteam, das die Geschäfte in der Hauptstadt leitet und das Know-how aus allen Finanzbereichen bündelt. Damit will die Bankführung vor allem im Geschäft mit dem Mittelstand punkten. „Wir haben hier in der Vergangenheit unsere Chancen nicht immer so genutzt, wie sie sich geboten haben“, räumt Eisenach ein.

Das soll sich jetzt ändern. Bundesweit will die Deutsche Bank 180 zusätzliche Beratungszentren für Firmenkunden einrichten, insgesamt will die Bank 250 solcher Zentren betreiben. In Berlin wurde das gehobene Firmenkundengeschäft bisher zentral von der Filiale Unter den Linden betrieben, die sich jedoch vor allem um die rund 100 Großunternehmen der Region gekümmert hat. Nun sollen drei weitere Standorte – Otto-Suhr-Allee, Potsdamer Platz und Zehlendorf – zu Beratungszentren für Firmenkunden ausgebaut werden. Dort sollen auch mittelständische Unternehmen bekommen, was die ganz großen Kunden schon in der Vergangenheit nutzen konnten: eine RundumBetreuung aus einer Hand. Neben der Unternehmensfinanzierung kümmert sich der Berater für seinen mittelständischen Firmenkunden bei Bedarf dann auch um die private Geldanlage oder Probleme mit der Kontoführung.

Die neue Spitze. Harald Eisenach (links) ist für Berlin und die neuen Länder zuständig, Anke Sahlén (und Frank Gilly) gehören zur Berliner Geschäftsleitung.
Die neue Spitze. Harald Eisenach (links) ist für Berlin und die neuen Länder zuständig, Anke Sahlén (und Frank Gilly) gehören zur...Foto: Kai-Uwe Heinrich

„Ein enormes Wachstumspotenzial“ sieht Frank Gilly im Geschäft mit dem Mittelstand. Im Berliner Bankwesen gehört Gilly zu den Urgesteinen. Seit 37 Jahren arbeitet er im Bankensektor, davon 17 Jahre bei der Berliner Bank. Im August wechselte Gilly von der Tochter zur Deutschen Bank. Seitdem betreut er in der Geschäftsleitung gemeinsam mit Markus Détrie das Privat- und Firmenkundengeschäft, für die Großunternehmen, die „Large Corps“, ist Christian Dallwitz zuständig. Gilly glaubt an die Berliner Wirtschaft und den exportstarken Mittelstand. Und sieht hier große Chancen für sein Haus. Beim Auslandsgeschäft etwa will die Bank ihre Kunden mit ihrem weltweiten Filialnetz unterstützen. Bei Währungsfragen kann in der Geschäftsleitung Christian Mielke weiterhelfen, bei der Finanzierung internationaler Handelsgeschäfte Beate Hofmann.

Ihre Bekanntheit in aller Welt will die Deutsche Bank aber nicht nur bei den Kunden nutzen, die bereits in Berlin leben, sondern auch bei denen, die neu in die Stadt kommen – etwa um Immobilien zu kaufen. Waren es anfangs überwiegend Skandinavier, sind es jetzt vor allem Investoren aus Südeuropa, die sich für Berliner Immobilien interessieren, weiß Anke Sahlén. Sie ist Sprecherin der lokalen Geschäftsleitung in Berlin und betreut seit zwei Jahren die Vermögensberatung für wohlhabende Kunden. Berliner Immobilien, weiß die Bankerin, sind gefragt – trotz der steigenden Preise. „Für ausländische Investoren sind die Preise noch nicht zu hoch“, sagt Sahlén.

Auch in der florierenden Start-upSzene will die Deutsche Bank noch stärker Fuß fassen. Die Unternehmer, die neu in die Stadt kommen, will man mit den Basisdienstleistungen versorgen – Konto und Kreditkarten etwa, sagt Gilly. Zudem will man den Existenzgründern Kontakte vermitteln, die ihnen bei der Finanzierung helfen – zumindest in der Anfangsphase, in der die Bank mangels Sicherheiten nicht selbst Kredite vergeben kann. Generell will die Deutsche Bank bei Krediten aber nicht sparen. Bundesweit will das Institut seine Kreditlinien bis 2015 um zehn Milliarden Euro ausweiten, davon würde auch Berlin profitieren, das am gesamten Deutschlandgeschäft einen Anteil von rund zehn Prozent hat.

Weltweit ist Berlin der fünftgrößte Standort im Deutsche-Bank-Imperium. Rund 4000 Menschen – davon allein 3500 bei der Deutschen Bank selbst – arbeiten hier für den Konzern, zu dem neben der Deutschen auch die Berliner Bank und die Norisbank gehören. Die Beschäftigten der Postbank und von Sal. Oppenheim, die ebenfalls Teil der Deutsche-Bank-Welt sind, sind dabei noch nicht mitgezählt. An der Spree sind neben den Filialen auch das Risikomanagement-Center und der telefonische Kundenservice der Deutschen Bank angesiedelt.

Bei der Berliner Bank sollen die Sparmaßnahmen zum Jahresende abgeschlossen sein. Als die Deutsche Bank das Haus im Jahr 2006 von der Landesbank Berlin übernahm, hatte die Bank mehr als 1000 Mitarbeiter, jetzt sind es noch 450. Filialen werden zusammengelegt, von einst 55 bleiben 38 übrig. „80 bis 90 Prozent der Umbauten sind erledigt“, sagt Frank Gilly, der als Chef der Bank das Sparprogramm auf den Weg gebracht hatte. An dessen Ende soll die Berliner Bank dann ihre neue Rolle im Konzern gefunden haben – als regionales Institut und als Entwicklungsplattform für den Konzern, in der Neuerungen ausprobiert werden.

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