Wirtschaft : Deutsche Bank baut Privatkundengeschäft um

hop/mm/nw/po

Die Deutsche Bank führt den Umbau ihres Privatkundengeschäfts weiter. Dies sagte Josef Lamberti, Vorstand der Deutschen Bank, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Zum einen sollen die Verwaltungsabläufe weiter rationalisiert werden, sagte Lamberti. Zum anderen differenziert die Deutsche Bank ihr Privatkundengeschäft weiter. Neben die bisherigen beiden Standbeine Deutsche Bank 24 für den breiten Markt und das Private Banking mit intensiverer Vermögensberatung tritt nun der Bereich der besonders vermögenden Kunden.

Die Deutsche Bank will dadurch Kosten sparen und die bisher ertragsschwache Sparte profitabler machen. Das Ergebnis will Lamberti dadurch innerhalb der nächsten drei Jahre verdoppeln. In den ersten neun Monaten 2001 hatte die Deutsche Bank im Privatkundengeschäft einen drastischen Gewinneinbruch verzeichnet.

Die Banken in Deutschland haben insgesamt Probleme mit ihren Privatkunden. Die Zusammenfassung und Schließung von Filialen ist daher an der Tagesordnung. Außerdem werden den Rationalisierungsmaßnahmen Tausende von Arbeitsplätzen zum Opfer fallen. Besonders starke Einschnitte nimmt die Commerzbank vor. Sie kündigte vor kurzem an, über die bereits beschlossene Schließung von 150 Filialen ihr Netz um weitere 54 ihrer derzeit 841 Filialen zu schließen.

Auch die Deutsche Bank konzentriert ihre Standorte, um Kosten zu sparen. Großes Gewicht legt die Deutsche Bank auf Selbstbedienungsfilialen, von denen es bundesweit 1200 gibt. Von den bisher 1000 herkömmlichen Filialen sollen 800 zu Beratungscentern ausgebaut werden. 150 werden zu SB-Filialen umgewandelt. 50 Filialen in Ballungszentren werden mit anderen zusammengelegt. Lamberti nannte gegenüber dem Handelsblatt als Ziel die "Industrialisierung" dieser Sparte. So sei bisher die Verwaltung von Krediten für Kunden der Deutschen Bank 24 und im Private Banking getrennt erfolgt. Auch im Investmentbereich gebe es Parallelstrukturen. Die sollen jetzt zusammengefasst werden.

Privatkunden weiter interessant

Ein breiter Rückzug der Banken aus dem Privatkundengeschäft ist jedoch wenig wahrscheinlich. Wolfgang Gerke, Professor für Banken- und Börsenwesen an der Universität Nürnberg-Erlangen, sagte dem Tagesspiegel jedoch: "Die Privatkunden bleiben interessant. Sie sind viel leichter zu kalkulieren als Geschäftskunden." Besonders für Sparkassen und Genossenschaftsbanken wäre es "der Tod", würden sie sich von dieser Sparte trennen. Bei anderen Instituten stelle sich jedoch die Frage, ob die Breite der Dienstleistungen erhalten bleiben sollte. Spezialsierungen zum Beispiel auf den Bereich Investmentbanking seien denkbar, sagte Gerke.

Die Deutsche Bank betonte am Montag gegenüber dem Tagesspiegel, keinem Privatkunden solle ein Produkt vorenthalten werden. Pressesprecher Klaus Thoma sagte, die verschiedenen Kundengruppen würden auch unterschiedliche Leistungen wünschen. "Aber wir wollen kein Silo-Denken." Wolle ein Kunde der Deutschen Bank 24 in einen Hedge-Fonds oder ähnliches investieren, bekäme er dies auch. Die Einteilung sei mit Plattformen im Automobilbau zu vergleichen. Der Grundstock sei gleich, über die weitere Ausstattung entscheide der Kunde selber. Geschadet hat die Einteilung ihrer Kunden der Deutschen Bank bisher nicht. Zum 1. September 1999 hatte das Institut seine weniger vermögenden Privat- und Geschäftskunden in der eigenständigen Tochter Deutsche Bank 24 zusammengefasst. Die konnte seitdem - in Deutschland - mehr als eine Million Kunden netto auf 7,8 Millionen hinzugewinnen, sagt Klaus Winker, Pressesprecher der Deutschen Bank 24. Die Kombination einer Filial- mit einer Direktbank sei besonders in Zeiten schwacher Börsen wichtig. "Wir haben durch unsere Mitarbeiter in den Filialen ein Gesicht", sagt Winker. Jetzt würden Beratungsdienstleistungen nachgefragt, die reine Online-Banken nicht bieten.

Ganz freiwillig verzichten viele Kunden jedoch nicht auf die noch intensivere Beratung. Denn kostenlos ist sie nicht. In Zukunft dürften Banken verstärkt Gebühren für Beratungen erheben, sagt Wolfgang Gerke. "Bisher fand hier eine Quersubventionierung statt." Dies werde langfristig aufhören. Gerke sagt: "Wieso sollte ich die Beratung eines anderen Kunden bezahlen, während ich mich selber informiere?"

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