Wirtschaft : Deutsche Bank bestreitet Krach an der Spitze

Vorstandschef Ackermann denkt über Zukäufe nach und beteuert „bestes Einvernehmen“ mit dem Aufsichtsrat

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Frankfurt (Main) (HB). Die Deutsche Bank denkt über Zukäufe im Privatkundengeschäft in Europa nach. Das kündigte Vorstandschef Josef Ackermann in einem Gespräch mit dem Handelsblatt an. Weltweit will das führende Frankfurter Geldhaus laut Ackermann darüber hinaus die Betreuung besonders vermögender Kunden verstärken.

Ackermann: „Wir werden mit organischem Wachstum unsere Marktposition weiter substanziell verbessern. Die großen Konsolidierungsschritte in den USA stellen aber für die meisten europäischen Banken eine neue Herausforderung dar. Akquisitorische Schritte werden daher notwendig sein.“

Auf die Frage, ob die geplante Verstärkung des Privatkundengeschäfts etwa über den Kauf der Bonner Postbank in die Tat umgesetzt werden solle, antwortete Ackermann ausweichend: „Aus guten Gründen nehmen wir zu Marktgerüchten generell keine Stellung.“ Am Wochenende überschlugen sich widersprüchliche Gerüchte darüber, ob die Deutsche Bank Interesse an der Übernahme der Postbank habe.

Einige Medien sprachen vor diesem Hintergrund von einem Machtkampf zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Ackermann und Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Rolf-E. Breuer wiesen diese Spekulationen als „Unsinn“ zurück. Breuer: „Zwischen Aufsichtsrat und Vorstand herrscht vollständige Übereinstimmung hinsichtlich Strategie und Zielen der Deutschen Bank.“ Ackermann sagte, von Unstimmigkeiten sei ihm nichts bekannt. Die Zusammenarbeit zwischen ihm und Breuer „könnte nicht besser und einvernehmlicher sein als sie ist“.

Experten sind sich darüber einig, dass die Postbank mit ihren über elf Millionen Privatkunden sowohl die Deutsche Bank als auch Commerz- und Hypo-Vereinsbank einen großen Schritt voranbringen würde. Die Spareinlagen der Postbank würden jeder Großbank auf der Kreditseite neue Spielräume verschaffen. Dennoch hat die Regierung beschlossen, am 21. Juni knapp die Hälfte der Aktien der Post-Tochter an der Börse zu verkaufen. Eine der Emissionsbanken ist die Deutsche Bank, die deshalb nicht über alternative Verkaufsmöglichkeiten nachdenken darf.

Im Bankenkonsortium des Postbank-Börsengangs macht sich bereits Verärgerung über die Rolle der Deutschen Bank breit. Sollte der Branchenprimus tatsächlich an einer Übernahme der Postbank interessiert sein, befürchten die Geldhäuser einen massiven Interessenkonflikt. Auch Aktionärsschützer befürchten, dass die Deutsche Bank durch die Vorbereitungen für den Börsengang Insiderwissen erworben hat, dass das Institut als potenzieller Käufer ausnutzen könnte.

Insider schließen nicht aus, dass die Deutsche Bank zu einem späteren Zeitpunkt von der Post den Mehrheitsanteil der Bank-Tochter übernehmen könnte. Nach Informationen des Handelsblatts hat sich die Post AG allerdings 1998 vertraglich verpflichtet, bis zum Jahr 2008 die Mehrheit an der Postbank zu halten. Experten halten eine kurzfristige Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank nur dann für denkbar, wenn der Börsengang an mangelndem Investoreninteresse scheitern sollte. Als möglicher Kaufpreis für die Postbank werden hinter den Kulissen rund sechs Milliarden Euro genannt.

Keine Fusion im Investmentbanking

Im Handelsblatt-Interview erteilte Josef Ackermann Zusammenschlüssen im Investmentbanking eine Absage: „Fusionen unter Investmentbanken sind aufgrund kultureller Unterschiede und großer Überschneidungen schwierig.“ Zur Bereitschaft seines Hauses, aktiv an der Konsolidierung der Bankenlandschaft teilzunehmen, sagte Ackermann: „An uns wird das nicht scheitern, solange es für die Aktionäre, die Mitarbeiter und für Deutschland gut ist.“ Ackermann begrüßte damit den Vorstoß von Bundeskanzler Gerhard Schröder, der vergangene Woche die Privatbanken zu raschen Fusionen aufgefordert hatte. Schröder hatte die Bildung eines globalen Champions in Deutschland und eine starke europäische Bank gefordert. Beobachter werteten dies als Hinweis darauf, dass die Deutsche Bank die Postbank übernehmen solle und dass die stockenden Fusionsverhandlungen zwischen Commerz- und Hypo-Vereinsbank zum Abschluss gebracht werden sollen.

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