Wirtschaft : Deutsche Bank bricht eine Lanze für den Osten

Vorstandsmitglied Krupp: Transferleistungen nicht kürzen

POTSDAM (thm).Auch 1997 wird das Wirtschaftswachstum Ostdeutschlands wahrscheinlich deutlich hinter dem der alten Bundesländer zurückbleiben, so daß der Rückstand gegenüber dem Westen größer wird.Wegen dieses "temporären Stops" beim Aufholprozeß und der besonders hohen Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern hat Georg Krupp, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, sich dagegen ausgesprochen, die Netto-Transferleistungen - jährlich rund 150 Mrd.DM - deutlich zu senken oder gar einzustellen."Wer dies fordert, verkennt in bemerkenswerter Weise die wirtschaftliche Situation in den neuen Ländern - die Lage ist nicht rosig", sagte er am Mittwochabend bei der Einweihung der neuen Brandenburger Gebietsrepräsentanz der Bank in Potsdam.Allerdings hob Krupp ausdrücklich den positiven Trend im Land Brandenburg hervor, das im Vorjahr mit drei Prozent das höchste Wachstum der neuen Länder vorweisen konnte.Dies zeige, "daß es in Zeiten wirtschaftlicher Umwälzungen durchaus auf die politische Führung ankommt", lobte Krupp die Stolpe-Regierung.Im Einzugsbereich Berlins sollte es nach seinen Worten "in den nächsten Jahren möglich sein, eine Sonderkonjunktur zu generieren". Als falsch wies Krupp die Kritik ostdeutscher Wirtschaftsminister an der Zögerlichkeit der Banken zurück.Allein die Privatbanken hätten in den neuen Ländern 65 Mrd.DM ausgereicht, davon die Deutsche Bank 30 Mrd.DM.Zudem habe sich die Deutsche Bank über diverse Töchter an rund 75 Ost-Unternehmen beteiligt."Dieser gute Wille hat uns 200 Mill.DM gekostet", so Krupp.Dennoch werde die Deutsche Bank die Entwicklung in den neuen Ländern "bis an Grenze des Vertretbaren" weiterhin unterstützen.Damit die neuen Länder wirtschaftlich auf die Beine kommen, sprach sich Krupp für eine moderate Lohnentwicklung aus.Zudem müsse sich die ostdeutsche Wirtschaft stärker auf den Export konzentrieren.Zum anderen müsse die bislang im Vergleich zum Westen schwache Industriebasis gefestigt werden.Um die geringe Eigenkapitaldecke der Unternehmen zu stärken, regte Krupp vermehrt den Gang an die Börse an.Während deutsche Unternehmen durchschnittlich 55 Jahre auf diesen Schritt warteten, gingen US-Firmen meist schon nach 14 Jahren an die Börse. Ausdrücklich warnte der Deutsche-Bank-Vorstand davor, Ostdeutschland isoliert zu betrachten.Die Entwicklung im Osten könne die ganze Bundesrepublik überschatten.Prognosen, daß die deutsche Binnenkonjunktur in Kürze wieder deutlich anziehen werde, teilt Krupp nicht: "Das Wirtschaftswachstum ist zu gering, um die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland abzubauen".

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