Wirtschaft : Deutsche Bank denkt nur noch an die Rendite Neuer Chef Ackermann stellt sein Programm vor

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Frankfurt/Main (ro). Josef Ackermann hält nichts von Träumereien. „Dafür ist momentan kein Platz. Jetzt geht es ums Handwerk.“ Vier Wochen nach seinem Amtsantritt macht der neue Vorstandssprecher der Deutschen Bank eines klar: Die Deutsche Bank verdient derzeit viel zu wenig Geld, um in den Konsolidierungsprozess der Branche aktiv eingreifen zu können. Der Börsenwert ist zu niedrig. „Im Moment können wir nicht die Rolle spielen, die wir auf Grund unserer Geschichte spielen sollten und wollen.“

Deshalb reißt Ackermann das Steuer herum: Kostspielige Investitionen und Übernahmen sind vorerst tabu. Die Kosten sollen drastisch gedrückt werden, vermutlich werden mehr als die bisher schon angekündigten 9200 Arbeitsplätze gestrichen. Beteiligungen werden konsequent abgestoßen.

Vier Grundsätze, so Ackermann am Montagabend im Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten, stehen jetzt im Vordergrund: Die Deutsche Bank denkt nicht mehr in Marktanteilen, sondern nur noch an die Rendite. Geschäftsfelder, die ohne hohe Investitionen keine Perspektive haben, werden verkauft. Selbst wenn die Deutsche Bank attraktive Angebote bekomme, „müssen wir auch einmal nein sagen können“, sagt der 54jährige neue Chef.

Die Kosten dürften den Erträgen nicht weiter, wie in den vergangenen Jahren, vorauseilen. Beteiligungen, auch das Daimler-Chrysler-Paket, werden über kurz oder lang verkauft, unter anderem auch, um mit dem Geld eigene Aktien zurückzukaufen. „Es gibt für die Deutsche Bank keine strategischen Beteiligungen". Das Institut wird möglicherweise noch in diesem Jahr trotz der schlechten Lage an der Börse - die sich, so Ackermann, so schnell nicht bessern wird - etliche Pakete abgeben. Ackermann drängt auch zur Eile, weil er offenbar deutliche Anhaltspunkte dafür hat, dass eine konservative Bundesregierung die Steuerbefreiung für Beteiligungsverkäufe wieder aufhebt. „Wenn wir jetzt nicht reagieren, wird uns das später vorgeworfen.“

Während er die Bank im Investmentbanking gut aufgestellt und unter den weltweit führenden Häusern sieht, gibt es für Ackermann im Privatkundengeschäft und im Geschäft mit kleineren Firmenkunden noch Nachholbedarf. 90 Prozent der Gewinne stammen aus dem Investmentbanking, aber nur zehn Prozent aus dem Privatkunden- und Filialgeschäft. „Das ist ein ganz wichtiger Pfeiler der Bank“, sagt Ackermann. Aber auch hier gilt: Expansion nur mit Augenmaß. Ein Engagement in Frankreich wäre viel zu kostspielig. Vor allem auf Deutschland, Italien und Spanien konzentriert die Bank das Filialgeschäft, das insgesamt auf gutem Weg ist. „Wir werden in dieser Sparte einen tollen Durchbruch erleben.“

Bis Ende 2003 muss die Deutsche Bank nach Ansicht des neuen Vorstandssprechers zwei Milliarden Euro einsparen. Deshalb werden möglicherweise mehr als die bisher genannten 9200 Stellen weltweit gestrichen. Auch Entlassungen schließt Ackermann nicht ausdrücklich aus. Ackermann ist gleichwohl überzeugt, dass die weltweit rund 94000 Mitarbeiter der Bank diese Maßnahmen und seinen Kurs insgesamt gutheißen.

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