Wirtschaft : Deutsche Bank: Der Beginn einer neuen Ära

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Ein Rekordergebnis und eine neue Struktur - Vorstandssprecher Rolf Breuer wird am Donnerstag wieder einmal von einem Einschnitt in der Geschichte der Deutschen Bank berichten. Sieben Milliarden Euro und damit etwa zwei Milliarden Euro mehr als im Vorjahr dürfte das Geldhaus 2000 verdient haben. Mit Breuer und seinem designierten Nachfolger Josef Ackermann als quasi gleichberechtigte Sprecher will die Bank bis zum endgültigen Wechsel von Breuer im Mai 2002 in den Aufsichtsrat weitere große Schritte auf dem Weg hin zum "besten Finanzdienstleister der Welt" hinter sich bringen.

Allein die Investmentsparte soll brutto 13 Milliarden Euro gebracht haben. Und Breuer wird eine neue Struktur vorstellen, die die Bank in zwei Teil-Banken bricht und dem Vorstand in der alten Form quasi die Macht entzieht.

Die Zweiteilung der Bank ist schon seit Anfang Dezember beschlossene Sache, die personell Verantwortlichen waren es eigentlich auch. Edson Mitchell und sein US- Vorstandskollege und enger Freund Michael Philipp sollten neben Ackermann die tragenden Rollen spielen. Der Tod des 47jährigen Mitchells, der bei einem Flugzeugabsturz kurz vor Weihnachten ums Leben kam, machte die Pläne obsolet. Jetzt wird Ackermann für das Investment-Banking verantwortlich sein, Breuer soll bis zum Mai 2002 der Vermögensverwaltung (Asset Management) und dem Privatkundengeschäft vorstehen. Und vor allem diese Sparte auf Trab bringen. Obwohl sie mittlerweile auch im Filialgeschäft gutes Geld verdient, liegen vor allem britische Banken immer noch deutlich vor der Deutschen Bank. Auch um das Private Equity und damit um den milliardenschweren Beteiligungsbesitz der Deutschen Bank soll sich Breuer kümmern. Im vergangenen Jahr hat er bereits einen Teil des Allianz-Paketes versilbert und dafür rund zwei Milliarden Euro kassiert.

Ursprünglich war Philipp für den Spitzenjob im Asset Management und im Privatkundengeschäft vorgesehen. Aus dem Rennen ist er freilich nicht. Dass er in der Deutschen Bank ganz hoch gehandelt wird, zeigt sich an seinem Reiseaktivitäten: Vergangene Woche tat er sich bei der vermögenden Klientel der Deutschen Bank in den Golfstaaten um, dann jettete er für einen Tag zur Vorstandssitzung nach Frankfurt um direkt danach dem Weltwirtschaftsforum in Davos die Aufwartung zu machen. Auch Ex-IBM-Chef Hermann Lamberti macht einen Sprung nach vorne. Er verantwortet in Zukunft das Massen- und Filialgeschäft, das längst auf ganz Europa zielt.

Gerade im Privatkundengeschäft hat die Deutsche Bank im vergangenen Jahr die erstaunlichste Wandlung vollzogen. Als im März die Fusion mit der Dresdner Bank fast schon beschlossen schien, sollte das Filialgeschäft der Bank 24 über kurz oder lang an die Allianz abgegeben werden. Davon ist heute keine Rede mehr. Längst glauben Beobachter, dass auch die Gespräche mit der Allianz im Sande verlaufen werden, weil die Vorstellungen beider Seiten zu weit auseinander liegen. "Die Deutsche Bank will Exklusivität im Vertrieb, die Allianz dagegen setzt auf verschiedene Partner", sagt Dieter Hein, Banken- Analyst bei Credit Lyonnais.

Allerdings wird es bei der Strukturreform und der Zweiteilung der Bank, die die großen Schweizer Institute und auch die Commerzbank schon umgesetzt haben, auch Verlierer geben - Tessen von Heydebreck etwa, der nicht mehr das gesamte Privatkundengeschäft, sondern nur noch das Private Banking verantwortet. Oder Finanzchef Clemens Börsig, der erst im Herbst 1999 von RWE gekommen war. Er soll noch die Umstellung der Rechnungslegung auf US-GAAP erledigen und damit die wichtigste Grundlage für den geplanten Börsengang der Deutschen Bank an die Wall Street schaffen. Zu den Verlierern wird aber auch der gesamte Vorstand als Gremium gehören. "Entscheidend sind die beiden neuen Management-Teams mit Ackermann und Breuer", sagt ein Deutschbanker.

Für 95 000 Mitarbeiter und für die rund 538 000 Aktionäre ist auch entscheidend, was unter dem Strich herauskommt. Das Rekordjahr 2000 sorgt schon für freudige Mienen, auch 2001 hat gut begonnen. "Die Zahlen im Januar sind bombig", sagt ein Deutschbanker. Vielleicht rückt das von Mitchell im Herbst genannte Kursziel von 300 Euro doch schneller als gedacht in Reichweite. Breuer wäre auch mit 120 bis 150 Euro zufrieden. Derzeit pendelt das Papier um die 100-Euro-Marke.

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