Wirtschaft : Deutsche Bank: Ein Trio führt das größte Geldhaus Europas

Rolf Obertreis

Die Deutsche Bank steht offenbar vor einer einschneidenden Strukturreform, die die Position des künftigen Vorstandssprechers Josef Ackermann sowie der beiden von ihm in den Vorstand geholten Amerikaner Edson Mitchell und Michael Philipp entscheidend stärken würde. Wie aus der Bank und aus Finanzkreisen zu hören ist, wird das größte Geldhaus Europas künftig nicht mehr in fünf, sondern nur noch in zwei Geschäftsbereiche untergliedert: Das Investmentbanking und das Geschäft mit größeren Firmenkunden auf der einen Seite sowie die Vermögensverwaltung, das Private Banking und die für das Filialgeschäft zuständige Deutsche Bank 24 auf der anderen Seite. Die Leitung der beiden Bereiche sollen Philipp und Mitchell übernehmen. Die Diskussion über die neue Struktur ist im Vorstand dem Vernehmen nach schon weit gediehen. Eine Entscheidung fällt möglicherweise noch im Dezember. Die Deutsche Bank will die Informationen allerdings weder bestätigen noch dementieren. Pressesprecher Detlev Rahmsdorf: "Kein Kommentar".

In Frankfurt wird die Neuorganisation als Fortentwicklung der von Vorstandssprecher Rolf Breuer 1998 eingeführten Holding-Struktur gewertet. Mit einer Zusammenfassung des Investmentbankings mit dem Geschäft mit größeren Firmenkunden sollen Synergien gehoben werden - etwa mit Blick auf mögliche Börsengänge. Gleiches gilt für die Vermögensverwaltung, das Geschäft mit wohlhabenden Kunden und das normale Filialgeschäft. Die Kooperation dieser Sparten gilt als nicht optimal. Der bisherige Bereich Global Technology and Services, der sich mit der gesamten Technologie für das Bankgeschäft befasst, soll als Dienstleistungssparte für die beiden anderen Bereiche dienen.

Die Deutsche Bank will mit der Neuorganisation ihre Profitabilität weiter erhöhen und den Börsenwert steigern. Dies ist, wie der künftige Vorstandssprecher Ackermann, der im Mai 2002 an die Spitze der Deutschen Bank rückt, immer wieder betont, der beste Schutz gegen eine Übernahme. Außerdem soll klargemacht werden, dass nicht nur das Investmentgeschäft, sondern auch das eher traditionelle Bankgeschäft der Vermögensverwaltung und -betreuung der tragende Faktor der größten Bank Europas ist. Obwohl Ackermann als Investmentbanker gilt, hat er mehrfach die Bedeutung eines schlagkräftigen Vertriebs hervorgehoben: Dies sei ein entscheidender Absatzkanal für die Produkte der Investmentbanker. Mit der neuen Struktur würde die Bank auch deutlich machen, dass sie nicht in erster Linie auf die derzeit zwar sehr hohen, aber eben auch stark schwankenden Erträge aus dem Investmentbanking baut. Vor allem dies könnte an der Börse honoriert werden und für einen höheren Aktienkurs sorgen. Auch für den geplanten Gang an die Wall Street wäre dies von Bedeutung: Dadurch würde die Deutsche Bank einen Akzent setzen gegenüber den stark auf das Investmentgeschäft ausgerichteten US-Konkurrenten wie Goldman Sachs oder J.P. Morgan.

Gleichwohl sorgt die neue Struktur - mit der die Deutsche Bank hierzulande ausnahmsweise keine Vorreiterrolle übernimmt, sondern dem Beispiel der Commerzbank folgen würde - für Unruhe im Management, weil einige Herren um ihre Stellung fürchten. Auch für den Vorstand wäre die Veränderung einschneidend. "Es gäbe einen Super-Vorstand im Vorstand. Es wäre eine Art Machtübernahme durch Ackermann, Mitchell und Philipp", sagt ein Beobachter. Diese drei vor allem - und damit kein Deutscher - werden künftig das operative Geschäft der Deutschen Bank bestimmen: Ein Schweizer und zwei Amerikaner. Der derzeitige Vorstandssprecher Breuer werde durch diese Entwicklung aber keineswegs ausgebootet. Er hat, davon sind Beobachter überzeugt, die neue Struktur mit vorangetrieben und wird weiter ein entscheidendes Wort mitreden. "Schließlich wechselt er, wenn Ackermann im Mai 2002 die Sprecherrolle übernimmt, an die Spitze des Aufsichtsrates", heißt es in Frankfurt. Beide Banker würden sich eng abstimmen.

Die übrigen fünf Vorstandsmitglieder werden sich allerdings wohl mit einer weniger dominierenden Rolle zurechtfinden müssen. Der Vorstand der Deutschen Bank werde sich, davon sind Beobachter überzeugt, vom schon traditionellen Konsensprinzip verabschieden und zu einer klaren Hierarchie mit eindeutigen Verantwortlichkeiten der einzelnen Vorstandsmitglieder kommen. Auch was die Ergebnisverantwortung betreffe, wie es heißt. Die Leistung der Manager wird dadurch unzweifelhaft am Ergebnis ihres Bereiches ablesbar - dies gilt dann in erster Linie für die beiden Amerikaner Philipp und Mitchell.

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