Wirtschaft : Deutsche Bank empfiehlt den Verkauf von US-Dollarreserven

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Der anhaltende Kursrückgang des Euro gegenüber dem US-Dollar hat zu intensiven Diskussionen über Maßnahmen zur Kursstabilisierung geführt. Zwar besteht aus rein ökonomischer Sicht kaum Grund zur Sorge. Denn der Anstieg der Verbraucherpreise bleibt bis auf weiteres begrenzt und der schwache Euro hilft den Exporteuren. Doch die dauerhafte Euroschwäche birgt politische Gefahren. Abgesehen vom Imageschaden droht der Kursverfall auch den Integrationsprozess in der EU zu beeinträchtigen. Außerdem verlieren immer mehr internationale Investoren das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung. Das Stimmungsbarometer der Deutschen Bank, das auf einer Befragung von 140 europäischen Exporteuren und Importeuren beruht, bestätigt ganz aktuell diesen Trend.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, bekräftigte am Mittwoch seine Forderung nach einem Verkauf der Dollar-Reserven der europäischen Notenbanken. Die momentane Stärke der US-amerikanischen Währung könnte man nutzen, um das Volksvermögen zu erhöhen, sagte Walter gegenüber dem Tagesspiegel. Der jeweilige Verkaufsgewinn könnte außerdem zur Schuldentilgung verwandt werden. Eine Neuauflage des so genannten Plaza-Abkommens vom September 1985 oder dem Louvre-Abkommen vom Februar 1997 sei hingegen nicht zu erwarten. Auch damals machte den großen Industriestaaten die starke Kursveränderung der US-Währung Probleme. Um unliebsamen Kursübertreibungen entgegenzuwirken, vereinbarten die wichtigsten Industriestaaten konzertierte Aktionen. Die Devisenmarktinterventionen führten zum gewünschten Erfolg.

Tatsächlich wird im Handel darüber spekuliert, ob die Europäische Zentralbank (EZB) zu Devisenmarktinterventionen Zuflucht nehmen wird. Bislang hat sie noch nicht auf Stützungsaktionen im größeren Stil zurückgegriffen. Erst im Februar hatte die Währungsbehörde eine Studie über die Wirksamkeit von Devisenmarktinterventionen in den 80er und 90er Jahren veröffentlicht, worin - zumindest kurzfristig - eine Erfolgsquote von 80 bis 90 Prozent belegt wird. Dabei wurden meistens Beträge von unter 100 Millionen US-Dollar auf den Markt geworfen. Nach Einschätzung der HypoVereinsbank spricht die massive Unterbewertung des Euros allmählich für Interventionen. Nach Berechnungen des Instituts beträgt die Unterbewertung - gemessen an der langfristigen Entwicklung der nationalen europäischen Währungen - mittlerweile über 20 Prozent; so viel wie seit 25 Jahren nicht.

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