Deutsche Bank : Freude trotz roter Zahlen

Wegen der Postbank-Übernahme schreibt die Deutsche Bank Verlust, bleibt aber optimistisch. Das Geschäftsmodell sei robust, sagte Ackermann.

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Abwärts. Rund 1,2 Milliarden Verlust bescherte die vorgezogene Übernahme der Postbank der Deutschen Bank. Foto: dapd
Abwärts. Rund 1,2 Milliarden Verlust bescherte die vorgezogene Übernahme der Postbank der Deutschen Bank. Foto: dapdFoto: dapd

Frankfurt am Main - 1,2 Milliarden Euro Verlust und trotzdem ein Vorstandschef, der bester Laune ist. „Unser Geschäftsmodell hat sich einmal mehr als robust erwiesen“, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Mittwoch bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal, das erstmals seit dem Krisenjahr 2008 wieder ein Minus gebracht hat. Der Grund für Ackermanns positive Stimmung: Der Verlust ergibt sich alleine aus der vorgezogenen Übernahme der Mehrheit an der Postbank. Dieser Schritt schlägt mit Belastungen von rund 2,3 Milliarden Euro zu Buche. Daher teilte die Börse Ackermanns Zuversicht am Mittwoch: Die Aktie der Deutschen Bank legte zeitweise um 2,4 Prozent zu.

Ohne die Postbank erwirtschaftete die größte deutsche Bank zwischen Juli und September einen Nettoüberschuss von 1,1 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten waren es 4,1 Milliarden Euro. Die Aufwendungen für die Postbank eingerechnet lag der Nettogewinn bei 1,7 Milliarden nach 3,6 Milliarden für die ersten neun Monate 2009. Mit detaillierten Aussagen zur Postbank-Übernahme hielt sich Ackermann zurück. Die Deutsche Bank wolle ihre Spitzenstellung auf dem Heimatmarkt ausbauen und auch im europäischen Privatkundengeschäft eine führende Position einnehmen, sagte er lediglich. Mit der Postbank kommt die Deutsche Bank auf insgesamt 24 Millionen Kunden. Mit der Übernahme will Ackermann auch die Erträge der Bank ausgewogener gestalten und die Abhängigkeit vom Investmentbanking reduzieren, das immer wieder von starken Schwankungen getroffen wird. Noch bis zum Donnerstag kommender Woche läuft das Übernahmeangebot an die freien Aktionäre der Postbank. Die Deutsche Bank will das Institut vor Jahresende als neue Tochter in den Konzern eingliedern.

Auch ohne die Postbank ist die Deutsche Bank aber im Privatkundengeschäft weiter vorangekommen. Mit 14,5 Millionen Kunden verbuchte sie im dritten Quartal einen Vorsteuergewinn von 245 Millionen Euro, fast 100 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. In den ersten neun Monaten waren es 667 Millionen nach 411 Millionen in der Vorjahresperiode. Zusammen mit der Postbank, der bereits zum Konzern gehörenden Norisbank sowie der Berliner Bank will Ackermann künftig im Privatkundengeschäft pro Jahr einen Vorsteuergewinn von drei Milliarden Euro einfahren.

Im Investmentbanking, der stärksten Säule des Instituts, gab es im dritten Quartal Einbußen, weil sich die Kunden weltweit mit der Auflegung von Anleihen, im Aktiengeschäft sowie bei Fusionen und Übernahmen zurückhielten. Allerdings waren die Rückschläge bei der Deutschen Bank nicht so stark wie bei wichtigen Konkurrenten wie Goldman Sachs, Credit Suisse und der UBS. Unterm Strich lag der Vorsteuergewinn dieser Sparte im dritten Quartal bei 1,1 Milliarden Euro und damit sogar noch gut 100 Millionen Euro höher als im Vorjahr. Grund waren niedrigere Rückstellungen und Kosten. In den ersten neun Monaten verbuchte das Investmentbanking einen Vorsteuergewinn von 4,47 Milliarden nach 3,12 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. WestLB-Analyst Georg Kanders konstatierte, die Deutsche Bank habe im Investmentbanking „extrem gut“ abgeschnitten.

Einen Ausblick für das Gesamtergebnis dieses Jahres gab Ackermann nicht. 2011 peilt er einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro an. 2009 hatte er bei 5,2 Milliarden Euro gelegen.

Aktionäre können sich angesichts der guten Lage auch wieder auf höhere Dividenden freuen. Finanzvorstand Stefan Krause sagte, er blicke sehr positiv auf die Monate bis zum Ende des Jahres. Trotz der verschärften Eigenkapitalregeln wolle die Bank „so schnell wie möglich“ wieder die gewohnten 30 bis 40 Prozent des Nettogewinns ausschütten.

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