Wirtschaft : Deutsche Bank fürchtet keinen Angreifer

Ackermann: Institut ist für Fusionsrunde bei europäischen Banken gerüstet/Stellenabbau weitgehend abgeschlossen

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Frankfurt (Main) (ro). Die Deutsche Bank fühlt sich wieder stark genug, um selber in den Konsolidierungsprozess der Branche einzugreifen. Das betonte Vorstandssprecher Josef Ackermann am Donnerstag auf der BilanzPressekonferenz in Frankfurt. Er konnte für 2003 auf einen stark gestiegenen Gewinn nach Steuern verweisen. Der Zuwachs lag bei 244 Prozent auf fast 1,4 Milliarden Euro. Neue Spekulationen über ein Zusammengehen mit der Citigroup kommentierte er nicht – ließ aber durchblicken, dass daran wenig Substanz sei. Der Name Deutsche Bank solle zu einer weltweit führenden Marke werden. Auch Analysten halten eine Fusion beider Banken für unwahrscheinlich. Die Citigroup wolle vor allem in Amerika und Asien wachsen, Ackermann selbst habe kein Interesse an einem Zusammenschluss.

Ackermann dementierte allerdings auch nicht, dass er sich im Januar mit Top-Managern der Citigroup in New York getroffen habe. Er soll die Gespräche beendet haben, weil er die Übernahme einer deutschen durch ein US-Institut politisch für zu heikel halte. „Ich spüre keinen Atem von Eroberern im Nacken“, sagte der Deutsche Bank-Chef gestern. Eine feindliche Übernahme schließe er ohnehin aus. Ackermann glaubt auch, dass die jüngsten Fusionen amerikanischer Großbanken keinen Rückschluss auf die Entwicklung in Europa zulassen. Hier werde die Konsolidierung langsamer vor sich gehen.

Mit einem deutlich höheren Gewinn im vergangenen Jahr sieht sich die Deutsche Bank für diesen Prozess gut gerüstet. „Wir sind heute eine andere Bank als noch vor zwei Jahren. Wir haben den Sprung in die andere Liga geschafft“, sagte Ackermann. Zwar sei der Gewinn vor Steuern – im Gegensatz zum Nachsteuerergebnis – um 22 Prozent auf knapp 2,8 Milliarden Euro gesunken. Für Ackermann entscheidender ist aber das um außerordentliche Aufwendungen und Erträge bereinigte Ergebnis, das nach seiner Ansicht die Leistungen im eigentlichen Bankgeschäft richtig wiedergibt. Danach kletterte der Vorsteuer-Gewinn um 163 Prozent auf den neuen Rekordwert von knapp 3,6 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft konnte um die Hälfte auf eine Milliarde Euro, die Kosten um zwei Milliarden Euro gedrückt werden. Die Eigenkapitalrendite liege jetzt bei 13 Prozent nach vier Prozent im Vorjahr, sagte Ackermann. Die Dividende soll von 1,30 auf 1,50 Euro steigen.

Sowohl im Investmentbanking als auch im Geschäft mit Geschäfts- und Privatkunden sieht Ackermann die Bank auf dem richtigen Weg. Das Vorsteuerergebnis der Investment-Sparte stieg um 121 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Weltweit, so Ackermann, gehöre man mittlerweile hinter der Citigroup und JP Morgan Chase zu den drei stärksten Investmentbanken.

Auch 2003 hat sich die Bank von Beteiligungen und etlichen nicht zum Kerngeschäft zählenden Bereichen getrennt. Allerdings wurden daraus nur noch Gewinne in Höhe von 600 Millionen Euro gebucht nach 3,7 Milliarden Euro im Vorjahr. Ackermann ließ offen, wann sich die Deutsche Bank von dem Zwölf-Prozent-Anteil an Daimler-Chrysler trennt. Verkauft werde, wenn der Aktienpreis richtig sei.

2004 soll im reinen Bankgeschäft ein Vorsteuer-Ergebnis von 6,5 Milliarden Euro verzeichnet werden. Damit hätte die Bank ihr Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent früher erreicht als bislang erwartet. Arbeitsplätze sollen dafür kaum gestrichen werden. „Wir können im Prinzip allen Mitarbeitern sagen: Ihr habt einen Job“, betont Vorstandssprecher Ackermann.

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