Wirtschaft : Deutsche Bank geht in Stellung

FRANKFURT (MAIN) (ro).Das Ei des Kolumbus für die Reduzierung der Steuerlast bei Verkäufen ihrer Beteiligungen hat die Deutsche Bank nicht gefunden.Körperschaftssteuer in Höhe von 45 Prozent auf den erzielten Gewinn wäre bei Verkäufen nach wie vor fällig.Aber mit der Ausgliederung ihres Anteilsbesitzes an börsennotierten Gesellschaften wie DaimlerChrysler, Allianz oder Holzmann in die neue Tochter DB Investor kann die Deutsche Bank zumindest die Gewerbesteuer drücken.An den schnellen Verkauf der Beteiligungen denkt Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer nicht, auch wenn sie "alle nicht für die Ewigkeit" seien."Wir machen den Konzern transparent und können durch die neue Struktur unsere Industriebeteiligungen aktiver und erheblich profitabler steuern." Damit soll der Wert der Anteilspakete erhöht und der Industriebesitz steuerlich optimiert werden.

Vollzogen wird der Schritt zum Jahresende.Dann bringt die Deutsche Bank Beteiligungen an deutschen börsennotierten Aktiengesellschaften im Wert von über 40 Mrd.DM - unter anderem 12 Prozent an DaimlerChrysler mit einem Wert von 19 Mrd.DM, 9,4 Prozent an der Allianz mit 13 Mrd.DM und 10 Prozent an der Münchener Rück mit sieben Mrd.DM - jeweils in eigenständige Tochtergesellschaften ein, die wiederum von der DB Investor verwaltet werden.Damit wird dieses Unternehmen zur wertvollsten Tochter der Deutschen Bank.Der Buchwert dieser Beteiligungen liegt bei sieben Mrd.DM Die neuen Firmen werden für jede einzelne Beteiligung als AG & Co KG geführt.Faktisch tauscht die Bank ihre direkte Beteiligung an DaimlerChrysler in eine Beteiligung an der AG & Co KG, die die DaimlerChrysler-Aktien hält.Sitz der Unternehmen wird Eschborn bei Frankfurt sein.Dadurch spart die Deutsche Bank fünf Mill.DM Gewerbesteuer.Die Übertragung erfolgt steuerneutral.Allerdings hebt die Deutsche Bank auf diesem Weg stille Reserven in Höhe von netto fünf Mrd.DM.

Mit der DB Investor entsteht nach Angaben von Breuer die zweitgrößte private Beteiligungsgesellschaft der Welt."Das neue Konzept heißt aber nicht, daß wir am 1.Januar eine große Verkaufsaktion unserer Beteiligungen einleiten." Die Bank sei nicht unzufrieden mit diesen Aktienpaketen, seit 15 Jahren hätten sie jährlich eine Rendite von 20 Prozent abgeworfen."Ein besseres Investment kann man sich kaum vorstellen, wir sind damit überglücklich." 1998 kassiert die Deutsche Bank von DaimlerChrysler eine Dividende von drei Mrd.DM.

Der aktuelle Wert der Beteiligungen steht aber bislang nur in den Büchern.Jetzt geht es nach Angaben von Breuer darum, diesen Besitz steuerschonender nutzen zu können, wobei die Deutsche Bank allerdings um die Körperschaftssteuer nicht herumkommt."An dieser Problematik ändert sich grundsätzlich nichts.Es verbessern sich aber die Chancen, im Einzelfall körperschaftssteuer- schonende Regelungen zu finden." Große Hoffnungen auf eine Besserung des steuerlichen Umfeldes hat der Deutsche Bank-Chef im übrigen nicht."Es ist weiter bei jedem Verkauf eine ganze Menge Gehirnschmalz nötig, um Steuern zu sparen", betont Axel Pfeil, Chef der künftigen DB Investor.Breuer will mit der neuen Tochter gleichzeitig die Beteiligungen auch aktiver managen, auch wenn sie nach und nach heruntergefahren werden sollen.Gedacht ist sogar an neue Engagements, um etwa bei der Neuausrichtung von einzelnen Branchen als "Geburtshelfer" dabei zu sein.Diese Pakete sollen aber höchstens fünf Jahre gehalten werden.

Mit der Ausgliederung will die Deutsche Bank auch für mehr Transparenz sorgen und damit das Thema Macht der Banken entschärfen."In Zukunft legen wir über alle Beteiligungen haarklein Rechenschaft ab", betont Breuer.Die neue Transparenz, so hofft Breuer, soll auch den Wert der Deutschen Bank anheben.Im übrigen mache das Institut mit diesem Schritt nach Angaben von DB Investor-Chef Pfeil eine "Punktlandung" vor der Steuerreform.1999 wäre die Ausgliederung in dieser Form nicht mehr möglich, weil die neue Bundesregierung den dafür geltenden, sogenannten Mitunternehmer-Erlaß abschaffen will.

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