Wirtschaft : Deutsche Bank geht shoppen

Geldhaus will Aktiengeschäft der britischen National Westminster Bank kaufen / Streit über Preis

FRANKFURT (MAIN) (rtr).Der Deutsche-Bank-Konzern will das Aktiengeschäft der britischen National Westminster Bank (NatWest) übernehmen.Der Vorstandssprecher des deutschen Branchenprimus, Rolf Breuer, sagte am Freitag, beide Banken seien mitten in den Verhandlungen.Das NatWest-Management lehnte das Angebot jedoch als unerwünscht ab.Branchenexperten sahen in der Ablehnung vor allem den Versuch, den Preis in die Höhe zu treiben.Sie schätzen den Wert der NatWest-Sparte auf umgerechnet rund 870 Mill.DM.Die Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Morgan Grenfell erklärte, das Angebot werde nicht erhöht. NatWest entgegnete, das Angebot der auf das globale Wertpapiergeschäft spezialisierten Investmentbank Deutsche Morgan Grenfell (DMG) für ihr globales Aktiengeschäft liege nicht im "besten Interesse der Aktionäre".Der Vorsitzende des Bereichs "Globaler Aktienhandel" der DMG, Michael Philipp, beteuerte jedoch am Freitag, das Angebot werde nicht erhöht."Wir haben unseren Vorschlag gemacht, dabei bleibt es", sagte er. Am Londoner Aktienmarkt reagierte der Kurs der NatWest-Aktie zunächst mit einem Verlust um 45 auf 855 Pence.Händler begründeten dies damit, daß man nicht wisse, was die Deutsche Bank vorhabe.So sei unklar, ob sie gegen den Willen des NatWest-Managements ein Angebot an die Aktionäre unterbreiten werde oder ob es noch einen anderen Interessenten geben werde.Genannt wurde die niederländische ING-Gruppe, die bis zum Nachmittag allerdings keine Stellungnahme abgab. Negativ reagierte der Markt auch auf die Absicht der DMG, lediglich das Aktiengeschäft der NatWest übernehmen zu wollen, nicht aber auch den Bereich Corporate Finance, der das Firmenkundengeschäft umfaßt.Analysten in London äußerten auch Zweifel am Sinn der Transaktion.Einerseits werde zwar das Aktiengeschäft der DMG in Großbritannien durch den Erwerb der NatWest-Sparte auf einen Schlag deutlich gestärkt, während die von der Bank zunächst propagierte Politik eines "organischen Wachstum" mehrere Jahre in Anspruch nehmen würde.Andererseits verwiesen Branchenkenner jedoch auf die Risiken, die mit einer solchen Transaktion verbunden sind. So habe gerade NatWest schlechte Erfahrungen mit der Integration ihres Investmentbanking gemacht, dessen heftige Expansion in den vergangenen beiden Jahren sich inzwischen immer mehr als äußerst teurer Fehlschlag erweise, hieß es in Londoner Analystenkreisen.Aus dem Ruder laufende Kosten und Differenzen im Management über die Unternehmensstrategie veranlaßten NatWest dieses Jahr, ähnlich wie die Barclays-Gruppe, den Rückzug aus dem Investmentbanking anzukündigen.Interesse an einer Übernahme des Aktiengeschäfts der zum Verkauf stehenden Tochter BZW der Barclays Bank dementierte Deutsche- Bank-Chef Breuer aber. NatWest Securities verfügt über eine der höchsten Bewertungen als Aktienhändler am britischen Markt.NatWest belegte in der diesjährigen Reuters-Umfrage den ersten Platz in der Aktienanalyse bei den Fondsmanagern und den zweiten Platz bei den Finanzchefs.Im Vergleich dazu belegte die DMG den 16.beziehungsweise 12.Platz.

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