Wirtschaft : Deutsche Bank: Glänzendes erstes Quartal

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Weder die Flaute an den Börsen noch das praktisch ruhende Geschäft mit Neuemissionen hat die Deutsche Bank im ersten Quartal bremsen können. Mit einem Gewinn nach Steuern von 1,03 Milliarden Euro schloss das größte Geldhaus Europas noch besser ab als im außergewöhnlich guten ersten Quartal 2000. Der Zuwachs lag bei 6,9 Prozent. Allerdings ist der Zuwachs im Wesentlichen auf niedrigere Steuerzahlungen zurückzuführen. Vor Steuern sackte der Gewinn um zwölf Prozent ab. Die Vorsteuerrendite sank um zwei Prozentpunkte auf 17,8 Prozent. Gleichwohl ist Vorstandssprecher Rolf Breuer hochzufrieden: "In einem schwierigen Umfeld haben wir erneut unsere stabile und hohe Ertragskraft bewiesen. Im Vergleich zu unseren internationalen Wettbewerbern haben wir uns damit hervorragend behauptet." Analysten wurden von den Zahlen überrascht. Sie hatten mit einem deutlich schlechteren Ergebnis gerechnet. Gegenüber dem - allerdings schlechten - letzten Vierteljahr 2000 konnte die Deutsche Bank sogar um 77 Prozent zulegen. Getragen wurde der überraschend hohe Gewinn vor allem von einem neuen Rekord im Eigenhandel mit Wertpapieren und Devisen. Mit 2,7 Milliarden Euro lag das Geldhaus noch einmal um 300 Millionen Euro besser als vor Jahresfrist.

Breuer sieht darin den Beleg, dass die Deutsche Bank zu den weltweit führenden Investmentbanken gehört. Auch der Anstieg der Verwaltungskosten konnte begrenzt werden. Der Provisionsüberschuss, der sich vor allem aus dem Wertpapiergeschäft speist, rutschte allerdings gegenüber dem Vorjahresquartal um rund zehn Prozent auf 2,7 Milliarden Euro ab. Dies ist Folge der schwachen Entwicklung an den Börsen.

Die Investmentbank und die Privatkundenbank, in die die Deutsche Bank seit Jahresanfang ihre Geschäfte aufgeteilt hat, mussten ebenfalls jeweils Ergebniseinbußen hinnehmen. In der Investmentsparte steht für die ersten drei Monate ein Vorsteuer-Ergebnis von 1,14 Milliarden Euro, das sind pro forma rund 235 Millionen Euro weniger als Anfang 2000. Ursache dafür ist nach Angaben der Bank eine etwas höhere Risikovorsorge und ein leicht gestiegener Verwaltungsaufwand. Allerdings fehlten auch Erlöse aus der Begleitung von Börsengängen. Lediglich eine Neuemission - die Deutsche Börse AG - fiel im ersten Quartal unter die Regie der Deutschen Bank.

Das Privatkundengeschäft erreichte einen Gewinn vor Steuern von 242 Millionen Euro, weniger als die Hälfte des pro-forma-Gewinns des ersten Quartals 2000. Ursache dafür waren die Börsenflaute sowie Vorleistungen für neue Projekte. Dies gilt vor allem für den neuen Online-Broker "maxblue", den Ausbau der Europa-Präsenz der Deutsche Bank 24 sowie für die Einführung des Euro-Bargeldes.

Auf Grund dieser Entwicklungen musste die Deutsche Bank vor Steuern einen Rückgang des Quartalsgewinns um rund zwölf Prozent auf 1446 Euro hinnehmen. Die Vorsteuerrendite rutschte von 19,8 auf 17,8 Prozent ab. Der höhere Nachsteuergewinn ergibt sich allein aus geringeren Steuerzahlungen. Während die Deutsche Bank für das erste Quartal 2000 noch 677 Millionen Euro an den Fiskus abführen musste, waren es im ersten Vierteljahr 2001 nur 420 Millionen Euro.

Analysten, die im Durchschnitt mit einem weit geringeren Ergebnis gerechnet hatten, zeigten sich vor allem vom starken Handelsergebnis der Bank positiv überrascht. "Die Stärke, die die Deutsche Bank in der Vergangenheit in diesem Bereich gezeigt hat, hat sich trotz schlechter Marktkonditionen fortgesetzt", sagte Andreas Pläsier von der Berenberg Bank. "Ich gehe davon aus, dass sie den Trend rechtzeitig erkannt haben und die Volatilität im Markt ausnutzen."

Die Aktie der Deutschen Bank stieg nach Bekanntgabe der Zahlen gegen den Trend in der Spitze um 2,7 Prozent auf ein Tageshoch von 92,70 Euro, sackte im Verlauf des Börsenhandels aber in einem schwachen Gesamtmarkt auf das Vortagesschlussniveau wieder ab. Damit notierten Deutsche Bank aber immer noch besser als der Dax, der mit rund einem Prozent im Minus notierte.

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