DEUTSCHE BANK : In drei Schritten zur Erkenntnis

Bei der Deutschen Bank in Berlin kann man sich einen mobilen Physiotherapeuten buchen, der einen am Arbeitsplatz massiert. Klopfen und Kneten von Hals, Schultern und Nacken mögen entspannen und für einen kurzen Moment die Excel-Tabellen auf dem Computerbildschirm vergessen machen. Es ist jedoch nur eine kurzweilige Linderung gegen Stress. Die Deutsche Bank setzt daher bei den Mitarbeitern auf die innere Erkenntnis: Sie sollen verstehen, was Stress überhaupt ist und wie sie mit ihm umzugehen haben.

Gemeinsam mit dem Psychiater Mazda Adli von der Charité hat man ein Drei-Schritt-Programm gegen Stress entwickelt. Zuhören ist dabei besonders wichtig. „Wir möchten ein rationales und medizinisch fundiertes Wissen über Stress vermitteln“, sagt Adli. Die Mitarbeiter sollten verstehen, dass Stress ein medizinisch erklärbares Phänomen ist und nicht unbedingt schädlich ist. Während eines solchen Seminars steht Adli dann vor den Mitarbeitern und kommentiert Power- Point-Folien: Was ist Stress? Warum steigt die Herzfrequenz? Und wie wirkt sich Stress auf die Psyche aus? Das ist der erste Schritt. 14 Führungskräfte haben zuerst an dem Seminar teilgenommen, fünf Stunden lang an einem Freitagnachmittag. Dann wurden Einladungen an 140 der rund 4000 Mitarbeiter verschickt. „Die Resonanz war groß“, sagt Harald Eisenach, Vorsitzender der Geschäftsleitung für die Region Nordost. Die Teilnahme war freiwillig, 125 Mitarbeiter kamen zu dem Termin. Zurzeit wird das Feedback zu dem Seminar ausgewertet.

In einem zweiten Schritt wird Adli über kognitives Stressmanagement informieren. Jeder Mensch reagiert verschieden auf Stress. Bestimmte Persönlichkeitseigenschaften, etwa Perfektionismus, können Stress auslösen. Die Mitarbeiter sollen lernen, gezielt Gegengewichte zu installieren. Ein solches ist die „Selbstverbalisierungstechnik“. Man erkennt die Stresssituation, fokussiert sich auf eine ausgleichende Haltung und trainiert damit zum Beispiel gezielt Gelassenheit. „So kann jeder Minipsychotherapien bei sich selbst durchführen“, sagt Adli.

Im dritten Schritt geht es um den effektiven Umgang mit Erholung. Freie Zeit ist rar, trotzdem machen die meisten nach der Arbeit immer dasselbe: ins Fitnessstudio gehen, Wein trinken oder fernsehen. Das Repertoire an differenzierten Erholungsmöglichkeiten, meint Adli, solle erweitert werden. So entspannt man sich besser.

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