Deutsche Bank : Jain und Fitschen müssen nachsitzen

Vor der Hauptversammlung kritisieren Nichtregierungsorganisationen die Deutsche Bank für ihre Rüstungs- und Agrargeschäfte.

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Jürgen Fitschen und Anshu Jain müssen sich auf der Hauptversammlung den Aktionären stellen. Foto: dpa Bildfunk
Jürgen Fitschen und Anshu Jain müssen sich auf der Hauptversammlung den Aktionären stellen.Foto: dpa Bildfunk

Ihre Schulzeugnisse dürften früher deutlich besser ausgesehen haben. Gleich vier Mal bekamen die beiden Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, am Mittwoch die Note „Ungenügend“ – und zwar für Kulturwandel, Transparenz, Klimaschutz und Achtung der Menschenrechte. „Sehr gut“ waren sie nur bei Profitorientierung, Zinsmanipulation und Agrarspekulation, heißt es in dem Zeugnis, das die drei Nichtregierungsorganisationen Facing Finance, Oxfam und Urgewald dem Führungsduo einen Tag vor der Hauptversammlung der Deutschen Bank ausgestellt haben. Die Versetzung ins nächste Geschäftsjahr sei „aufgrund der angerichteten Schäden an Mensch und Umwelt nicht zu empfehlen“, schreiben sie.

Ein Jahr nach ihrem Amtsantritt steht Fitschen und Jain ein ungemütliches Treffen mit den Aktionären bevor. Vor allem für den angekündigte Kulturwandel stehen sie in der Kritik. „Das ist nur eine Marketingmaßnahme“, sagt Dieter Hein, Analyst bei Fairesearch. Es sei nicht glaubhaft, zu versprechen, weniger fragwürdige Geschäfte zu machen, wenn sowohl an der Spitze des Vorstands als auch der des Aufsichtsrats Manager aus dem Investmentbanking säßen. Die Nichtregierungsorganisationen kritisieren vor allem, dass sich das Institut in ethischer und ökologischer Hinsicht kaum geändert habe. „Die Deutsche Bank unterhält nach wie vor umfassende Geschäftsbeziehungen zu Herstellern von Atomwaffen und Streumunition“, sagt Thomas Küchenmeister von Facing Finance. Allein im vergangenen Jahr sei fast eine Milliarde Euro in Geschäfte mit der Rüstungsindustrie geflossen.

Ähnlich fällt das Urteil über die Agrarspekulationen aus. „3,79 Milliarden Euro investierten die Investmentfonds der Bank 2012 in Wetten auf die Preise von Nahrungsmitteln wie Weizen und Mais“, rechnet David Hachfeld von Oxfam vor. Das Institut kenne das Risiko, doch der Profit gehe vor.

Fitschen selbst hatte im Januar auf der Grünen Woche in Berlin verkündet, sie wollten nach einer internen Prüfung weiter an Agrarfinanzprodukten festhalten. Es gebe keinen Beleg dafür, dass sie Lebensmittelpreise beeinflussen würden. Auch dazu werden  Fitschen und Jain sich auf der Hauptversammlung äußern müssen.

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