Wirtschaft : Deutsche Bank: Josef Ackermann macht das Geldhaus international

Rolf Obertreis

Für Josef Ackermann wird es eine neue Erfahrung, aber auch für die Öffentlichkeit. Bislang agiert der 52jährige Schweizer trotz seiner wichtigen Funktion im Vorstand der deutschen Bank eher im Hintergrund, öffentliche Auftritte sind selten. Das wird sich spätestens im Mai 2002 ändern, vermutlich dürfte Ackermann auch schon vorher in der Öffentlichkeit häufiger als bislang das Wort ergreifen. Umgekehrt wird man neue Töne von der Deutschen Bank hören: Der schweizerische Akzent wird unüberhörbar sein, wenn der neue Vorstandssprecher künftig auf Deutsch oder auf Englisch die Geschäftspolitik seines Hauses erläutert. Spätestens Josef Ackermann wird dann in seiner Rolle als Vorstandssprecher darauf aufmerksam machen, dass die Deutsche Bank ihren Sitz zwar in Deutschland hat, aber längst mit globaler Ausrichtung agiert. Das wird dem größten europäischen Geldhaus im internationalen Geschäft und vor allem im Investmentgeschäft alles andere als schaden. Im Gegenteil.

Ackermann wird der Bank allerdings auch gut tun, weil er eine zurückhaltende, sympathische Erscheinung ist. "Die Mehrheit im Vorstand entscheidet. Alle haben das Talent zum Sprecher", antwortete er im Frühjahr - als er längst wusste, dass es auf seine Person hinausläuft - auf die Frage, ob er Nachfolger von Breuer werde. Stets zeigt sich Ackermann gut gelaunt, obwohl er als Chef der Investmentsparte einen der stressigsten Jobs im Vorstand hat. Das hat den geschäftlichen Erfolg des am 7. Februar 1948 im schweizerischen Mels geborenen Bankers aber nicht im gebremst. Der promovierte Ökonom gilt vor allem im Investmentgeschäft als Visionär und Vordenker. Dies war auch der Hauptgrund für Ex-Vorstandssprecher Hilmar Kopper, Ackermann 1996 von der Schweizerischen Kreditanstalt, für die er rund 16 Jahre lang tätig war, in den Vorstand der Deutschen Bank zu holen. Die Berufung hat sich gelohnt - für die Deutsche Bank und für Ackermann. Der Schweizer hat dem Geldhaus endgültig eine globale Perspektive verpasst und sie näher an die großen amerikanischen Investmenthäuser wie Merril Lynch oder Goldman Sachs herangeführt. Ackermann hat zusammen mit Vorstandssprecher Rolf Breuer die 17 Milliarden Mark teure Übernahme der US-Investmentbank Banker Trust eingefädelt und auch die von vielen Beobachtern als problematisch angesehene Integration des US- Unternehmens erfolgreich vollzogen. Allerdings wird Ackermann auch nachgesagt, dass er das Scheitern der Fusion der Deutschen mit der Dresdner Bank ganz entscheidend mit zu verantworten hat. Er soll sich massiv gegen die Zusammenführung der Investmentsparten beider Häuser und für den Verkauf von Dresdner Kleinwort Benson ausgesprochen haben. Auch auf Druck seiner bis dahin wichtigsten Mitarbeitern, den beiden Amerikanern Edson Mitchell und Mike Philipp. Beide sitzen, auch auf Wunsch von Ackermann, mittlerweile im Vorstand der Deutschen Bank.

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