Wirtschaft : Deutsche Bank kauft britische Versicherung Abbey Life soll 300 Millionen Euro pro Jahr bringen

Rolf Benders

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank kauft den Versicherer Abbey Life von der britischen Großbank Lloyds TSB. Es seien 1,445 Milliarden Euro für das Versicherungsportfolio gezahlt worden, teilte die Deutsche Bank am Dienstag mit. Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden und steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden.

Abbey Life ist eine im Jahr 2000 geschlossene Versicherung, die keine neuen Geschäfte mehr tätigt. Allerdings verwaltet sie noch 17 Milliarden Euro in Lebens- und Rentenversicherungen. Die Laufzeit der insgesamt 1,2 Millionen Policen beträgt noch bis zu 20 Jahre. Die Deutsche Bank übernimmt nun die Verwaltung der Gelder, steigt damit aber nicht selbst in das Angebot von Versicherungen ein, wie ein Sprecher in Frankfurt sagte.

„Wir sind zuversichtlich, dass Abbey Life stabile Erträge liefert und unsere internen Anforderungen erfüllen wird“, erklärte Michele Faissola, Mitglied der Geschäftsleitung von Deutsche Bank Global Markets.

Das Portfolio von Abbey Life umfasst überwiegend fondsgebundene Versicherungspolicen, Rentenversicherungsverträge sowie Pensionspolicen. Die Deutsche Bank berät bereits heute im Kapitalmarktgeschäft Versicherungsunternehmen bei der Verwaltung und Anlage ihres Kapitals. Diese Expertise können die Frankfurter nun nutzen, um das Abbey-Life-Portfolio zu managen und so auf eigene Rechnung Erträge zu erwirtschaften. Das Portfolio liefert relativ absehbare Erträge. Finanzkreisen zufolge rechnet die Deutsche Bank mit einem jährlichen Gewinn von 200 bis 300 Millionen Euro. „Das macht das Geschäft der Deutschen Bank stabiler“, sagte WestLB-Analyst Georg Kanders. Die Bank erzielt rund 69 Prozent ihres Konzerngewinns aus dem Investmentbanking und ist daher stark von diesem sehr schwankungsanfälligen Geschäft abhängig.

Medienberichten zufolge hatte die Deutsche Bank bereits im vergangenen Jahr versucht, mit einem Angebot für GE Life in den Markt für geschlossene Lebensversicherungen einzutreten. Damals war sie dem Schweizer Konkurrenten Swiss Re unterlegen.

Die Aktien der Deutschen Bank verteuerten sich bis zum Nachmittag um mehr als vier Prozent auf 101,36 Euro. Börsianer erklärten dies allerdings mit den überzogenen Kursverlusten des Vortages. Die gerade noch abgewendete Schieflage der Mittelstandsbank IKB hatte am Montag Spekulationen genährt, auch die Deutsche Bank könnte negativ von der Hypothekenkrise in den USA betroffen sein. Hintergrund sind massive Zahlungsausfälle von Krediten an US-Hausbauer, die ihre variabel verzinsten Darlehen wegen der steigenden Zinsen nicht mehr bedienen können. Die Deutsche Bank hatte lediglich gesagt, sie habe die Risiken im Griff. Etwas mehr Klarheit über die Auswirkungen der US-Krise auf das Geschäft der größten deutschen Bank dürften Anleger am heutigen Mittwoch erhalten. Dann legt die Deutsche Bank die Geschäftszahlen für das zweite Quartal vor. Erwartet wird ein Gewinnsprung. 16 von der Agentur Reuters befragte Experten gehen im Schnitt davon aus, dass der Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro gestiegen ist. Haupttreiber sollte das Handelsergebnis sein, das den Schätzungen zufolge um 30 Prozent auf 2,65 Milliarden Euro zugelegt hat. HB mit dpa

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