Wirtschaft : Deutsche Bank: Kirchs späte Rache?

Ist es die Rache des gedemütigten Patriarchen, der sich von seinem Widersacher gekränkt fühlt und nun endlich die Gelegenheit sieht zurückzuschlagen? Oder steckt mehr hinter der Strafanzeige, die Leo Kirch gegen den Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, gestellt hat? Sicher: Als Breuer im Februar öffentlich die Kreditwürdigkeit seines Kunden Kirch anzweifelte, war das ein höchst unfreundlicher Akt, der die Insolvenz des Medienkonzerns beschleunigt hat. Dass die Indiskretionen seines Gläubigers Leo Kirch empört haben dürfen, liegt auf der Hand. Will er nun, wo die Würfel gefallen sind, das Insolvenzverfahren läuft und er keine Rücksicht mehr auf das Wohlwollen des Kreditgebers aus Frankfurt nehmen muss, späte Rache an Breuer üben?

Wohl kaum. Glaubt man den Gerüchten, musste Kirch von seinen Beratern zur Anzeige erst gedrängt werden. Das spricht gegen eine Privatfehde des alten Mannes und für eine kalkulierte, strategische Aktion interessierter Kreise. Die Kirch bis zuletzt freundlich gesonnenen Geldgeber, die in München konzentriert sind, dürften kein Interesse daran haben, dass jetzt auch die Deutsche Bank im Kirch-Monopoly wieder mitspielen will. Denn egal, ob es um die Kirch-Anteile an Springer oder die Rechte an der Formel 1 geht, Deutschlands größte Geschäftsbank kocht ihr eigenes Süppchen. Sympathien für den Kirch-Konkurrenten Murdoch werden dem Bankhaus nachgesagt ebenso eine größere Loyalität zum Verlagshaus Springer als zu Kirch. Und als Daimler-Aktionär möchte die Bank auch die Rechte am Formel-1-Rennzirkus lieber bei den Autoherstellern sehen als in der Kirch-Gruppe. Kein Wunder, wenn die anderen Gläubigerbanken lieber unter sich bleiben. Die Strafanzeige des Leo Kirch wäre dann nur ein erster Nadelstich. Weitere werden folgen.

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