Wirtschaft : Deutsche Bank korrigiert

Neue Rückstellungen von 254 Millionen Euro nötig

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank muss ihren Gewinn für das vergangene Jahr wegen neuer Rückstellungen für einen Rechtsstreit in den USA um 254 Millionen Euro oder sieben Prozent nach unten korrigieren. Statt wie von Vorstandschef Josef Ackermann Anfang Februar verkündet bleiben der Bank als Nettogewinn nicht 3,783 Milliarden Euro sondern nur 3,529 Milliarden Euro als Gewinn. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern bleibt aber bei 25 Prozent. Auch die Dividende soll trotzdem wie vorgesehen um 0,80 Euro auf 2,50 Euro steigen.

Hintergrund der Rückstellungen sind Anlagekonzepte für reiche Anleger in den USA, die damit überdurchschnittlich Steuern sparen sollten. Die Konzepte werden allerdings vom US-Justizministerium nicht anerkannt.

Die Vorgänge beziehen sich auf die Zeit zwischen 1997 und 2001 und auf eine Gesellschaft, die zur damaligen US-Investmentbank Bankers Trust gehörte. Bankers Trust war Ende der neunziger Jahre von der Deutschen Bank übernommen worden.

Nach Angaben von Pressesprecherin Kirsten Siersleben steht die Bank wegen der umstrittenen Anlageformen schon seit längerem in Verhandlungen mit den US-Behörden. Erst seit Mitte Februar sei allerdings klar, in welchem Umfang die Bank möglicherweise zur Kasse gebeten werden könnte. Am 14. Februar hat sich die Münchner Hypo-Vereinsbank, die ähnliche Anlagen verkauft hatte, mit dem US-Justizministerium auf die Zahlung eines Ordnungsgeldes von rund 30 Millionen Dollar geeinigt.

Für die Geschäfte der Bankers- Trust-Tochter, die offenbar in weit größerem Umfang in die Affäre verwickelt ist als die Hypo-Vereinsbank, stellt die Deutsche Bank jetzt rund 250 Millionen Euro zurück. „Vorher konnten wir das wegen der Bilanz-Vorschriften nicht machen“, sagt Siersleben. Wie viel die Deutsche Bank tatsächlich zahlen muss, ist offen. Die Verhandlungen über einen Vergleich mit dem Ministerium laufen, der Zeitpunkt für eine Vereinbarung ist noch unklar. Die genauen Umstände sollen schwieriger aufzuklären sein als bei der Hypo-Vereinsbank. Die Deutsche Bank ist sich aber sicher, dass sie jetzt ausreichend Vorsorge getroffen hat.

Die Unternehmensberatung KPMG hatte die Steuersparmodelle für reiche US-Bürger mit entwickelt. Die Steuerspargeschäfte betreffen Transaktionen mit Wertpapieren und Derivaten, die zum Teil über Firmen auf den Kaimaninseln abgewickelt worden sein sollen. Aus ihnen entstanden den Anlegern scheinbare Verluste, die dann bei den Finanzbehörden steuerlich geltend gemacht werden konnten. Möglicherweise waren die Transaktionen jedoch nie durchgeführt worden.

Insgesamt 19 KPMG-Mitarbeiter waren zunächst angeklagt worden. Im Sommer des vergangenen Jahres hatte KPMG in einem Vergleich rund 450 Millionen Euro gezahlt. Beobachtern zufolge könnte sich die Affäre zum bislang größten Steuerstrafverfahren in den USA entwickeln, von dem weitere Großbanken betroffen sein könnten.

Mit möglichen Entschädigungszahlungen für Anleger des Immobilienfonds Grundbesitz Invest haben die neuerlichen Rückstellungen nach Angaben von Deutsche Bank-Sprecher Andreas Bartels nichts zu tun. Dafür hatte das Institut bereits Ende Dezember 200 Millionen Euro zur Seite gelegt. Bis Ende März sollen betroffene Anleger entschädigt werden. Entsprechende Briefe an die rund 300 000 Grundbesitz-Invest-Sparer waren Anfang dieser Woche verschickt worden. Die Rückstellung sei ausreichend bemessen, sagt Bartels, mehr als 200 Millionen Euro werde die Bank nicht zahlen müssen. Klagen mit Blick auf die Schließung des Fonds liegen der Deutschen Bank seinen Worten zufolge nicht vor.

Bereits im vergangenen Jahr musste die Deutsche Bank ihren Gewinn nach unten korrigieren, nachdem sie mit Investoren des zusammengebrochenen Telekomkonzerns Worldcom auf einen Vergleich geeinigt hatte.

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