Wirtschaft : Deutsche Bank macht Gewinnsprung

Das Quartal lief besser als erwartet – doch die Analysten bleiben vorsichtig

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Frankfurt am Main – Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal mehr verdient als erwartet. Von April bis Ende Juni stieg der Gewinn im Jahresvergleich um 44 Prozent auf 947 Millionen Euro und lag damit um 144 Millionen Euro über den Analystenerwartungen. „Wenn die Rahmenbedingungen grundsätzlich stabil bleiben, sind wir davon überzeugt, dass wir unser profitables Wachstum und unser ehrgeiziges finanzielles Ziel für das Gesamtjahr 2005 erreichen können“, erklärte Konzernchef Josef Ackermann.

Die Anleger zeigten sich davon allerdings unbeeindruckt. Obwohl die Deutsche Bank den Anlegern zusätzlich zum Gewinnausweis noch eine höhere Dividende und ein Aktienrückkaufprogramm versprach, gab der Aktienkurs am Donnerstag um 0,26 Prozent auf 71,59 Euro nach. Händler erklärten dies mit Gewinnmitnahmen.

Mit 29 Prozent Eigenkapitalrendite vor Steuern im ersten Halbjahr lag Ackermann bereits deutlich über seiner Zielmarke von 25 Prozent. Da das Bankgeschäft im zweiten Halbjahr traditionell etwas schlechter läuft, sind Analysten derzeit aber noch skeptisch, ob die Vorgabe sicher übertroffen wird. Schon im zweiten Quartal hatte die Bank 14 Prozent weniger verdient als zwischen Januar und März.

Analysten werteten die Zahlen als solide. Sie verwiesen aber darauf, dass die Zahlen auch auf Grund von Sondereffekten so stark über den Erwartungen lagen. So wurde die Risikovorsorge für faule Kredite auf 75 Millionen Euro von zuvor 155 Millionen Euro gesenkt, und die Restrukturierungskosten lagen mit 116 Millionen Euro rund 80 Millionen Euro niedriger als von Analysten geschätzt. Da die Bank aber in diesem Bereich mit unverändert hohen Kosten rechnet, bleibt nun voraussichtlich noch eine Belastung für das zweite Halbjahr von 466 Millionen Euro. Bezahlt werden damit unter anderem Abfindungen bei der Streichung von insgesamt 6400 Stellen in diesem Jahr, von denen bereits 3600 abgebaut wurden. Die Bank begründet diese trotz steigender Gewinne vorgenommene Sparmaßnahme damit, dass sie bei der Profitabilität zur internationalen Spitzengruppe aufschließen müsse.

Mehr verdient hat die Bank bereits jetzt im Investmentbanking. In diesem Bereich schlug sie sich besser als große Teile der US-Konkurrenz. Während Weltmarktführer Citigroup in dieser Sparte einen Gewinneinbruch von 25 Prozent hinnehmen musste, steigerte der deutsche Branchenprimus sein Vorsteuerergebnis hier um zwölf Prozent auf 855 Millionen Euro. Dabei wuchsen die Erträge aus dem Geschäft mit Beratungen bei Übernahmen und anderen Kapitalmaßnahmen sogar um 17 Prozent. Gemessen am Provisionsaufkommen rückte die Bank dadurch weltweit um einen Rang auf Platz vier in der Investmentbranche auf. Anders als einige US-Konkurrenten, die vor allem unter einem schwachen Ergebnis im Anleihehandel litten, konnte die Bank hier ihre Erträge stabil halten. Das Geschäft mit Privatkunden und Vermögensverwaltung steigerte seine Erträge um vier Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Angesichts der im Branchenvergleich starken Ergebnisse der Deutschen Bank rechnet Metehan Sen, Analyst bei der Privatbank Sal. Oppenheim, damit, dass in nächster Zeit Anleger Geld aus Aktien der US-Banken abziehen und dafür Dividendentitel des deutschen Instituts kaufen werden. ben/HB

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