Wirtschaft : Deutsche Bank macht offenbar Einigung zwischen Walter Bau und Gläubigern möglich

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Düsseldorf/München Nach tagelanger Unsicherheit scheint der Baukonzern Walter Bau gerettet. Als letzter Gläubiger stimmte nun auch der französische Kreditversicherer Coface dem Sanierungskonzept zu. Die Entscheidung dazu dürfte den Franzosen leichter gefallen sein, nachdem die Deutsche Bank an einer Auffanglösung zur Rettung des Baukonzerns gearbeitet hat. Das erfuhr das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen. Dem Konzept zufolge müsste Hauptaktionär Ignaz Walter 40 Prozent seiner Aktien an Investoren abgeben. Der Firmengründer hält derzeit 56,9 Prozent, die Bayerische Landesbank (BayernLB) 10,6 Prozent. Walter Bau ist an der Börse zur Zeit nur 85 Millionen Euro wert.

Eine solche Lösung unter Beteiligung des Firmengründers hat nun offenbar den Widerstand im Gläubigerkonsortium gebrochen. „Damit könnten wir leben“, sagte ein Bankvorstand dem Handelsblatt und ergänzte: „Nur mit einem Beitrag der Walter-Großaktionäre wird es auch eine Zustimmung zum Sanierungsplan geben.“

Die Deutsche Bank hatte die Führung unter den 27 Gläubigern übernommen. Deutschland-Chef Jürgen Fitschen und dem als Vermittler eingeschalteten ehemaligen Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz scheint es nun gelungen, zwischen Ignaz Walter und den Banken eine Brücke zu bauen.

Schon zuvor waren die Vermittler im zähen Ringen um die Zukunft von Walter Bau ein weiteres Stück vorangekommen. Am Mittag habe die niederländische Großbank ABN Amro als Mitglied des Bankenkonsortiums ihre Zustimmung für das Sanierungskonzept signalisiert, hieß es in Finanzkreisen. Damit waren bis auf den Kreditversicherer Coface alle Finanzinstitute mit der Verlängerung der dringend benötigten Bürgschaften von 1,5 Milliarden Euro zumindest prinzipiell einverstanden. Von der ebenfalls zum Lager der Kritiker gezählten Landesbank Rheinland-Pfalz verlautete, man werde sich einer sinnvollen Lösung nicht in den Weg stellen.

Seit fast zwei Wochen verhandeln die Institute über ein Konzept, das den Fortbestand der Augsburger Baukonzerns mit drei Milliarden Euro Umsatz und 9 400 Beschäftigten sichern soll. Auch bei der geplanten Zwischenfinanzierung zur Liquiditätssicherung habe es gestern Fortschritte gegeben, hieß es. Dabei geht es um eine Summe von 140 bis 150 Millionen Euro. Die wollen Deutsche Bank und BayernLB bereitstellen. Sie fordern dafür aber die profitable Walter-Tochter Dywidag-Systems International (DSI) als Sicherheit. Das verweigerten bislang andere Institute, weil sie um ihre eigenen Sicherheiten fürchteten.

Spekulationen, bei den von der Deutschen Bank angesprochenen Investoren könnte es sich um die österreichische Bauholding Strabag handeln, wollte eine Sprecherin des Unternehmens nicht kommentieren. Die Österreicher sind mit der Kölner Strabag AG auch in Deutschland vertreten und verfügen über ein starkes Standbein in Osteuropa.

Mit einem Zusammenschluss von Walter Bau und Strabag könnte nach Meinung von Branchenkennern die starke Abhängigkeit der Augsburger vom Deutschlandgeschäft verringert sowie ein handlungsfähiges, neues Management gewonnen werden. In Deutschland könnte damit zudem ein Komplettanbieter in der Sparte Verkehrswegebau entstehen. Ignaz Walter selbst hatte in einem Interview noch im Herbst die Beteiligung eines Investors nicht ausgeschlossen. agr/fo/mm/pk (HB)/dpa

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