Wirtschaft : Deutsche Bank öffnet ihren Immobilienfonds wieder

Ende der kommenden Woche soll auch die künftige Strategie bekannt gegeben werden – Entschädigung für alle Anleger

Daniel Rhee-Piening

Berlin - Die Deutsche Bank will am Freitag der kommenden Woche (3. März) den An- und Verkauf von Anteilsscheinen an dem offenen Immobilienfonds Grundbesitz-Invest wieder aufnehmen. Die Ausgabe des Fonds war am 9. Dezember des vergangenen Jahres eingestellt worden, nachdem eine Neubewertung der Immobilien des Fonds notwendig geworden war. Dem Fonds drohten Wertberichtigungen in Millionenhöhe, wurde damals kolportiert.

Die Ankündigung dieser Neubewertung führte zu starken Verkäufen verunsicherter Anleger – in den ersten zwei Dezemberwochen verlor der Fonds rund 376 Millionen Euro – und schließlich zur Schließung des Fonds am 13. Dezember. Der letzte Preis lag bei 39,67 Euro. Betroffen waren rund 300 000 Anleger.

Die Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate, die den Fonds verwaltet, erwartet, dass bis zum 1. März alle neuen Wertgutachten für die Fondsimmobilien vorliegen. Am darauf folgenden Tag könne dann auf Basis der Neubewertung ein aktueller Anteilswert berechnet und bekannt gegeben werden. Zudem will die DB Real Estate an diesem Tag über die künftige Strategie des Fonds informieren.

Die Schließung des Fonds war bei Anlegern aber auch in der Fondsbranche auf harte Kritik gestoßen. Verschiedene Anwälte kündigten Klagen von Anlegern an, die ihre Anteile nicht mehr rechtzeitig verkaufen konnten. Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, nannte den Tag der Schließung, den 13. Dezember, in ungewohnter Deutlichkeit einen „schwarzen Dienstag“.

Die Sparkassen, aber auch die Berliner Volksbank boten den Fonds-Anlegern an, unter bestimmten Bedingungen Fondsanteile von Grundbesitz-Invest aufzukaufen und stießen damit auf große Resonanz. Das Angebot sei auf große Resonanz gestoßen hieß es bei den Sparkassen. Die Berliner Volksbank spricht von 121 Interessenten mit einem Fondsvolumen von 2,5 Millionen Euro. An der Berliner Börse wurden die Papiere am Mittwoch mit Kursen von 36,25 Euro gehandelt.

Auch die Deutsche Bank reagierte schließlich. Sollten zunächst nur Anleger entschädigt werden, die ihre Anteilsscheine vor maximal zwei Jahren erworben hatten, werden es nun alle, die es wünschen, sein. Die Höhe der Entschädigung errechnet sich aus dem letzten Kurs, abzüglich des Ausgabeaufschlags und der zwischenzeitlich erfolgten Ausschüttung. Die Differenz, die dann noch zum neuen Kurs besteht, soll ausgezahlt werden. Jeder Anleger soll individuell benachrichtigt werden.

Für die Entschädigungen hat die Bank Rückstellungen in Höhe von 200 Millionen Euro gebildet. Zudem deutete die Bank an, den Fonds gegebenenfalls stützen zu wollen, wenn es erneut zu Massenabflüssen und Liquiditätsengpässen kommen sollte. Ob dies nötig sein wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Nicht zuletzt hinge es maßgeblich davon ab, wie hoch die Wertberichtigungen ausfallen würden, hieß es an der Börse. Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte: „Ich denke, viele Anleger stehen bereit, und wollen aus dem Fonds raus.“ Es hänge sehr viel vom kommunikativen Geschick ab, ob es zu Massenverkäufen komme.

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