Wirtschaft : Deutsche Bank ohne Kommentar zu Schneider-Urteil

Frankfurt (Reuters) Die Deutsche Bank AG hat am Dienstag zunächst jede Stellungnahme zur Verurteilung des Immobilienunternehmers Jürgen Schneider abgelehnt."Wir nehmen dazu keine Stellung", erklärte ein Sprecher des Instituts in Frankfurt auf Anfrage.Die Deutsche-Bank- Gruppe hatte Schneider als dessen größter Kreditgeber zeitweise bis zu 1,5 Milliarden Mark zur Verfügung gestellt und nach Angaben ihres Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper durch den Zusammenbruch der Immobiliengruppe eine halbe Milliarde Mark verloren.­FRANKFURT (MAIN) (oe/rtr).Der gescheiterte Bauunternehmer Jürgen Schneider kann trotz einer Verurteilung zu sechs Jahren und neun Monaten Haft das Weihnachtsfest zuhause verbringen.Diese überraschende Entscheidung verkündete der Vorsitzende Richter am Landgericht Frankfurt, Heinrich Gehrke, im Anschluß an die gestrige Urteilsbegründung.Aus Sicht der Kammer bestehe keine Fluchtgefahr, sagte Gehrke.Schneiders ehemaliger Angestellter Heinrich Küpferle wurde wegen Beihilfe zum Betrug zu neun Monaten Haft verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.Der Vorsitzende Richter hatte in der mündlichen Begründung seines Urteils scharfe Worte für die Kreditbanken gefunden, die sich vom einstigen Frankfurter "Baulöwen" blenden ließen.Dem Angeklagten billigte Gehrke dagegen echte Einsicht in "strafwürdiges Fehlverhalten" zu. Den Leichtsinn der Banken wertete die 29.Strafkammer als schuldmildernd.Dennoch sei das Verhalten Schneiders immer noch kriminell gewesen.Er sei zwar kein raffinierter Großbetrüger, sondern ein "durch und durch schlichter Mann".Aber er habe die historischen Bauten, für die er sich mehr als 5 Mrd.DM von den Banken geliehen hatte, nicht nur hergerichtet, um der Allgemeinheit einen Dienst zu erweisen."Er hat dies getan, um sein eigenes Ansehen und auch sein Vermögen zu mehren", betonte der Richter.Anerkennung sei ihm wichtig gewesen, was bei dem strengen Vater durchaus verständlich sei.Es sei erstaunlich, daß Schneider sich erst mit 47 Jahren von dem Vater emanzipiert habe.Mit seinem eigenen Baugeschäft habe er dem Vater beweisen wollen, daß er es allein konnte.Daher habe er, aus seinem Verständnis heraus, auch nicht aussteigen können, als schon Mitte der achtziger Jahre absehbar war, daß nicht alle Pläne aufgingen."Wenn er das getan hätte, wäre er sauber und straflos geblieben, aber auch ein gescheiterter Unternehmer gewesen." Daher habe er das "Imperium der Hoffnungswerte", wie die Staatsanwaltschaft Schneiders diverse Bauvorhaben nannte, erweitert.Dies sei aber immer mehr zu einem "Imperium der Hoffnungslosigkeit" geworden.Der Zusammenbruch sei daher unvermeidbar gewesen, meinte der Richter.Ausführlich ging Gehrke auf die fünf Fälle ein, die in den 40 Verhandlungstagen zur Debatte gestanden hatten.Immer wieder hob er dabei hervor, wie leichtsinnig die Mitarbeiter der Banken den Angaben Schneiders geglaubt hatten.So habe beispielsweise die Deutsche Bau- und Bodenbank zwar erfahren, daß die Firma, an die Schneider angeblich über 29 Mill.DM "zur Ablösung von Forderungen von Mitbewerbern um das Gebäude am Zentralmeßpatz in Leipzig" gezahlt hatte, nur eine Scheinfirma mit einem Grundkapital von 3 Dollar gewesen ist ­ "passiert ist aber dadurch nichts".Auch die Deutsche Bank habe im Fall der Frankfurter Einkaufspassage Zeil-Galerie "beinahe sträflich nachlässig" gehandelt.Sie sei allerdings auch besonders schwer betrogen worden.So habe Schneider für die Erlangung des 415-Millionen-Kredits Unterlagen vorgelegt, die von seinem Bauzeichner Küpferle geschickt gefälscht worden waren.Als Bedenken bei der Bank über die Angaben aufkamen, präsentierte Schneider zusätzlich Mietverträge, die ebenfalls in seinem Büro entstanden waren und später nie wieder auftauchten.Immerhin habe die Deutsche Bank, anders als einige andere Institute, im Prozeßverlauf Fehler eingeräumt und auch personelle Konsequenzen gezogen ­ "allerdings nicht bis hinauf in den Vorstand", wie Gehrke anmerkte.Die Dresdner Bank dagegen habe "Warnsignale wie Scheunentore" mißachtet.Das ehemalige Vorstandsmitglied der Bank, Hans-Günter Adenauer, sei als Zeuge nur knapp an einem Verfahren wegen Falschaussage vorbeigeschlittert.Aus Gründen der Prozeßökonomie hatte sich das Gericht auf die Behandlung von fünf Fällen beschränkt.So konnte das Verfahren nach nur sechsmonatiger Dauer "in einer fairen und konstruktiven Weise" beendet werden.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar