Wirtschaft : Deutsche Bank: Rekordergebnis im ersten Halbjahr

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Die gescheiterte Fusion mit der Dresdner Bank hat der Deutschen Bank nicht geschadet. Im Gegenteil: Im ersten Halbjahr konnte das Geldinstitut den Gewinn nach Steuern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im Alleingang um rund 115 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Damit hat die Deutsche Bank in den ersten sechs Monaten bereits rund 1,2 Milliarden Euro mehr verdient als im gesamten Geschäftsjahr 1999. Allein zwei Milliarden Euro spülte allerdings der Verkauf eines Allianz-Aktienpaketes in die Kassen.

Vorstandssprecher Rolf Breuer bestätigte auf der Halbjahres-Pressekonferenz, dass die Gespräche mit der Allianz über eine Zusammenarbeit im Filialgeschäft andauern. Die Fondsgesellschaft DWS spiele dabei aber keine Rolle. Das Geldhaus werde vorerst seinen Weg alleine gehen. Strategischer Schwerpunkt sei die Ausdehnung der Deutschen Bank 24 (DB 24) auf Europa. "Wir wollen auch in Europa zur führenden Bank für Privatkunden werden", sagte Breuer. Die Deutsche Bank 24 wird das Filial- und Privatkundengeschäft der Deutschen Bank in Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, Portugal, Belgien und Polen zusammenführen und mit rund 21 000 Mitarbeitern und mehr als 2000 Filialen über 10,5 Millionen Kunden betreuen. Gleichzeitig wird die DB 24 unter dem Namen "Maxblue" den ersten europaweiten Online-Broker auf die Beine stellen. "Mit der DB 24 suchen wir die interessante Mitte unter den potenziellen Bankkunden in Europa", sagte Breuer. Das Potenzial liege bei etwa 60 Millionen. Bis 2004 soll die Deutsche Bank 24 in Europa 13,4 Millionen Kunden zählen und dies bei deutlich steigendem Gewinn. Das operative Ergebnis soll von 410 Millionen Euro in diesem Jahr auf gut eine Milliarde Euro im Jahr 2004 steigen. Nach den Worten Breuers bleibt die DB 24 auch in ihrer neuen Form für Partner offen. Auch der Börsengang sei weiter ein Ziel. Insgesamt sei nach den gescheiterten Bankenfusionen die Konsolidierung im deutschen Bankwesen keineswegs zu Ende.

Die Steuerreform und die Steuerfreistellung von Beteiligungsverkäufen ab 2002 wird nach Ansicht von Breuer nicht sofort zu einem Abbau der Beteiligungen führen. Zwar werde das Kaufen und Verkaufen zu einem normalen Teil des Bankgeschäftes, bei Verkäufen müssten aber intelligente und kursschonende Wege gefunden werden. Wenn die Deutsche Bank ihren Anteilsbesitz mit einem Börsenwert von 14 Milliarden Euro komplett verkaufen würde, "könnte das der Markt gar nicht verdauen". Im Übrigen sei auch das DaimlerChrysler-Aktienpaket (rund 12 Prozent) kein Tabu mehr.

Der Erlös aus dem Beteiligungsverkauf eines Teil ihres Allianz-Paketes von rund zwei Milliarden Euro war neben dem Provisionsüberschuss (plus 99 Prozent auf knapp sechs Milliarden Euro) und dem Eigenhandel (plus 75 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro) der Hauptantrieb für den Gewinnanstieg der Deutschen Bank. Das Vorsteuer-Ergebnis kletterte um 119 Prozent auf knapp 4,9 Milliarden Euro, die Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25,8 auf 46,3 Prozent. Ohne den Sondererlös liegt das Gewinnplus nur bei knapp 30 Prozent, die Eigenkapitalrendite rutscht sogar unter den Vorjahreswert.

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