Wirtschaft : Deutsche Bank rutscht in die roten Zahlen

200 Millionen Euro Verlust im ersten Quartal / Kerngeschäft läuft gut / Gewinnwarnung verstimmt Anleger

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Frankfurt (Main) (ro). Jetzt ist auch die Deutsche Bank in die roten Zahlen gerutscht. Die größte private Bank Europas muss wegen hoher Abschreibungen vor allem auf ihre Beteiligung am GerlingKonzern für das erste Quartal 2003 einen Verlust nach Steuern von rund 200 Millionen Euro verbuchen. Dies teilte das Institut am Donnerstag eine Woche vor der geplanten Veröffentlichung der Quartalszahlen mit. Noch Ende März hatte Konzernchef Josef Ackermann betont, 2003 habe für die Deutsche Bank „gut begonnen“, nachdem die Bank im vergangenen Jahr noch einen Nettogewinn von 397 Millionen Euro erwirtschaftet hatte.

Die überraschende Gewinnwarnung schockte die Börse. Der Kurs der Aktie gab direkt nach der Veröffentlichung deutlich nach. Zwischenzeitlich konnte sich die Aktie zwar erholen, lag aber zum Schluss mit 46,36 Euro wieder 3,6 Prozent im Minus. Händler verwiesen darauf, dass das erste Quartal bei der Deutschen Bank traditionell das stärkste sei. Im eigentlichen Bankgeschäft ist das Institut allerdings offenbar gut vorangekommen. Das operative Ergebnis belaufe sich auf 950 Millionen Euro und liege damit 70 Prozent höher als vor Jahresfrist, teilte die Bank mit. Vor Steuern erreichte die Deutsche Bank im ersten Quartal ein Ergebnis von rund 225 Millionen Euro.

Ackermann korrigiert sich

Im ersten Quartal des vergangenen Jahres hatte das Institut noch einen Gewinn vor Steuern von 1,3 Milliarden Euro erzielt, nach Steuern waren es knapp 600 Millionen Euro. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres muss jetzt allerdings auch die Deutsche Bank dem Wertverfall bei ihren Beteiligungen und der schwierigen Lage auf den Kapitalmärkten Tribut zollen. Die Belastungen belaufen sich auf rund 1,25 Milliarden Euro. Allein 625 Millionen entfallen auf Beteiligungen und davon wiederum der größte Teil auf Gerling. Schon 2002 hatte die Bank den Wert des 34,5 Prozent-Anteils an dem verlustreichen Versicherungskonzern um 700 Millionen Euro reduziert. Jetzt ist das Paket nach Ansicht von Analysten praktisch komplett abgeschrieben, womit die Risiken aus dem Gerling-Engagement nahezu verschwunden sind. Seit über einem Jahr sucht die Deutsche Bank für Gerling einen Käufer.

Weitere 400 Millionen Euro schreibt die Bank wegen der Börsenschwäche unter anderem auf ihre Fiat-Aktien (hier hält sie zwei Prozent) und auf ihre mg technologies-Papiere (hier hält sie neun Prozent) ab. 200 Millionen Euro kommen schließlich aus dem außerbörslichen Beteiligungsgeschäft dazu, womit sich die gesamten Abschreibungen auf 1,25 Milliarden Euro summieren.

Auf der anderen Seite verbucht die Deutsche Bank im ersten Quartal allerdings Netto-Erlöse in Höhe von 500 Millionen Euro aus dem Verkauf von Geschäftsfeldern. Im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft hatte die Bank unter anderem die Wertpapierverwahr- und Verwaltungssparte veräußert. Unter dem Strich liegen die einmaligen Netto-Belastungen damit bei 725 Millionen Euro. Weil die Abschreibungen beim Fiskus nicht geltend gemacht werden können, muss die Bank im ersten Quartal einen Netto-Verlust von 225 Millionen Euro hinnehmen.

Die Börse wurde am Donnerstag zunächst von der Gewinnwarnung der Bank geschockt. Allerdings hielten sich die Kursverluste im Laufe des Tages dann doch in Grenzen. Analysten waren zunächst überrascht von der Mitteilung der Bank. „Die Abschreibungen sind heftig. Eine Gewinnwarnung habe ich nicht erwartet", sagte Georg Kanders von der Westdeutschen Landesbank (WestLB). Andererseits sei aber das eigentliche Bankgeschäft gut gelaufen. Trotzdem stufte er die Aktie herunter. Er hält sie nun nicht mehr für unbedingt kaufenswert, sondern betrachtet sie als neutral. Nach Ansicht von Oliver Flade von der Hypo-Vereinsbank hat die Bank mit den Abschreibungen für reinen Tisch gesorgt. Das „Damoklesschwert" Gerling hänge jetzt nicht mehr über dem Institut. So könne man sich wieder auf das eigentliche Geschäft der Deutschen Bank konzentrieren. Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler zeigte sich skeptischer. Die Gewinnwarnung werde den Aktienkurs über einen längeren Zeitraum belasten. Zwar hätte die Deutsche Bank ohne Abschreibungen beim Gewinn die Konsensprognose deutlich übertroffen. Es stelle sich aber die Frage, wie lange die Anleger die hohen Abschreibungen noch akzeptierten.

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