Wirtschaft : Deutsche Bank soll Entschädigung zahlen

FRANKFURT/M ((oe)).Die Übernahme des amerikanischen Finanzkonzerns Bankers Trust durch die Deutsche Bank könnte durch die ungeklärte Frage der Entschädigung von Holocaust-Opfern verzögert werden.Die amerikanische Prüfbehörde will die Fusion nach eigenen Angaben solange nicht genehmigen, bis alle Opfer von der Deutschen Bank entschädigt worden sind.Bankchef Rolf Breuer erklärte dazu in einem Interview mit dem "Wall Street Journal", daß sich die Wirtschaftlichkeit der Transaktion durch eine längere Verzögerung verschlechtern würde.Er sei aber zuversichtlich, daß man eine Lösung finden werde und der Zusammenschluß bis April oder Mai abgeschlossen werden könne.

Während Breuer dabei auf eine erfolgreiche Vermittlung von Kanzleramtsminister Bodo Hombach hofft, der bereits zu Gesprächen in die Vereinigten Staaten geschickt worden ist, rät der Generalsekretär des Jüdischen Weltkongresses, Israel Singer, der Bank zu einer eigenen Lösung.Durch die Entsendung Hombachs sei das Tempo aus den Verhandlungen genommen worden, sagte Singer in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche".Wegen der Fusion mit Bankers Trust sollte die Bank daran interessiert sein, möglichst bald eine Klärung zu finden.Sie sollte nicht darauf warten, bis die Entschädigungsfrage für alle deutschen Unternehmen geklärt sei."Wenn sich Herr Breuer mit uns an einen Tisch setzen würde, um zu einer Lösung der Ansprüche von Holocaust-Opfern zu kommen, würde die Blockade der Fusion gar nicht diskutiert", meinte Singer, der als Vorsitzender der World Jewish Restitution Organisation unter anderem mit der deutschen und der österreichischen Regierung über die Zahlung von Pensionen und Wiedergutmachungen für NS-Opfer verhandelt.Für alle Beteiligten sei es besser, das Problem noch in diesem Jahrhundert zu lösen.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, hat dagegen die Forderungen einiger US-Anwälte heftig kritisiert.Teilweise würden "bizarre Summen" bis zur Höhe des gesamten Firmenvermögens gefordert, sagte Bubis.Er zeigte sich überzeugt, daß die Bundesregierung bei der Befriedigung der jüdischen Ansprüche helfen müsse."Die US-Regierung kann man zur Abwehr gegen Sammelklagen nur einbinden, wenn auch bei uns der Staat beteiligt ist", sagte Bubis der "Wirtschaftswoche".

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