Wirtschaft : Deutsche Bank sortiert sich neu

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Die Deutsche Bank plant eine Neuausrichtung ihres Privatkundengeschäfts und der Vermögensverwaltung (Asset Management). Die Deutsche Bank 24 wird wieder schlicht Deutsche Bank heißen. Wann der Namenszug geändert wird, ist noch offen. Die Bank mit ihren rund 1000 Filialen in Deutschland soll ferner 50 Filialen schließen und die bestehenden Einheiten in 800 Beratungscenter und 200 Selbstbedienungsfilialen umgestalten.

Der designierte Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, der sein Amt am 23. Mai als Nachfolger von Rolf Breuer antritt, will die Neuausrichtung am kommenden Montag offiziell verkünden. An diesem Tag will die Bank ferner die Zahlen für das erste Quartal 2002 vorlegen und in einer Analystenrunde Auskunft geben.

Sichtbares Zeichen des Vorhabens hier zuLande: Das Filialgeschäft wird die Marke Deutsche Bank 24 (DB 24) verlieren und wieder schlicht Deutsche Bank heißen. Auch wenn sie hier deutlich vorangekommen ist, verdient die Bank noch zu wenig Geld. Das will Ackermann ändern, um den Wert der Bank und den Aktienkurs zu steigern.

Im Herbst 1999 hatte die Deutsche Bank das Filialgeschäft ausgegliedert und in DB 24 umbenannt. Ziel: Einen Partner hereinholen oder die Einheit mittelfristig über die Börse verkaufen. Diese Pläne werden jetzt ad acta gelegt. Auch deshalb, weil sich die DB 24 mit ihren 1000 Filialen und rund 7,8 Millionen Privat- und mittelständischen Firmenkunden in Deutschland und 12 Millionen Kunden in Europa nicht schlecht entwickelt hat. Im vergangenen Jahr kletterte das Betriebsergebnis um sieben Prozent auf 405 Millionen Euro. Aber dies ist für Ackermann noch zu wenig. Deshalb auch die Filialschließungen und die Umgestaltung innerhalb des Privatkundengeschäfts. Mit der Umbenennung will Ackermann Reibungsverluste zwischen dem Filialgeschäft und dem Private Banking verhindern. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi protestiert bereits: Sie befürchtet weitere Stellenstreichungen und eine Verärgerung der Kunden.

Die Umbenennung ist nur einer der Schritte, mit denen der neue Chef das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung stärken will. Mit dem Investmentbanking ist die Deutsche Bank bereits weltweit in die Spitzengruppe aufgerückt. Ihr Marktanteil liegt bei zehn bis zwölf Prozent, 80 Prozent der Erträge der Bank kommen aus dieser Sparte. Dieses Ungleichgewicht will der künftige Chef aufbrechen.

Mindestens ebenso wichtig sind Ackermann Fortschritte im Private Banking und dem so genannten Wealth Management, der Verwaltung von großen Privatvermögen ab etwa zwei Millionen Euro. Hier wacht die Deutsche Bank derzeit über etwa 140 Milliarden Euro, was einem Marktanteil von etwa 0,5 Prozent entspricht. Ackermann möchte ihn mindestens verdoppeln. Er hat dabei die schweizerische UBS im Blick, die 400 bis 500 Milliarden Euro verwaltet. Bis 2005 fordert er dem Vernehmen nach von allen Divisionen der Bank einen jährlichen Nettoertrag von rund 300 Millionen Euro. Und eine deutliche Kostensenkung: 1000 Euro Erlös, rechnen Analysten vor, stehen Kosten von 910 Euro für Personal und Verwaltung gegenüber. Bei den Schweizer Großbanken etwa liegt das Verhältnis bei 1000 zu etwa 650 Euro. "Wenn wir hier vorankommen, nutzt das auch der Aktie und dem Börsenwert", sagt ein Banker. Bei einem derzeitigen Börsenwert von rund 44 Milliarden Euro ist die Bank ein potenzieller Übernahmekandidat. Rund 100 Milliarden Euro hat sich Ackermann zum Ziel gesetzt.

Entsprechende Personalentscheidungen haben Ackermann und Breuer bereits getroffen: Michael Philipp, bislang für das Asset Management zuständig, hat die Bank verlassen. An seine Stelle ist der Schweizer Pierre de Weck gerückt, der von der UBS kommt.

All dies und weitere strategische Orientierungen wird der künftige Chef Anfang Mai bei einem Treffen von 200 Top-Managern der Bank in Dublin erläutern. Gemeinsam mit Breuer.

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