Wirtschaft : Deutsche Bank verdient deutlich mehr

FRANKFURT (MAIN) (kr/HB). Der Vorstand der Deutschen Bank ist zuversichtlich, für 1999 ein gutes Ergebnis präsentieren zu können. Er setzt dabei voraus, daß ähnliche Marktturbulenzen wie in den vergangenen beiden Jahren ausbleiben werden. Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen deutete Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer am Mittwoch in Frankfurt (Main) an, daß er eine Steigerungsrate des Betriebsergebnisses um ein Fünftel für nicht unrealistisch hält. In der ersten Jahreshälfte ist es um 19,2 Prozent auf 2,04 Mrd. Euro (3,98 Mrd. DM) gestiegen. Der Gewinn nach Steuern hat sich um 45,1 Prozent auf 1,80 Mrd. Euro (3,52 Mrd. DM) erhöht. "Mehr als optimistisch" zeigte sich Breuer im Hinblick auf die Integration von Bankers Trust (BT). Sie verlaufe planmäßig. Alle "kritischen Meilensteine" habe man erfolgreich bewältigt. Breuer zeigte sich überzeugt, daß bis Jahresende nicht nur 40 Prozent, sondern gut die Hälfte der Synergien gehoben werden kann. Die angepeilten Einsparungen von 870 Mill. Euro sollen von 2001 an voll wirksam werden; für 2000 wird ein Realisierungsgrad von 75 Prozent angestrebt. Besondere Bedeutung für den Erfolg des neuen globalen Unternehmens mißt Breuer einer gemeinsamen Kultur zu. Mit BT gewinne der Konzern Deutsche Bank eine starke Präsenz am US-Markt und steige in zahlreichen Geschäftsfeldern weltweit zu den Marktführern auf. Die Grundlage für eine nachhaltige Steigerung des Unternehmenswertes sei damit geschaffen.Für Restrukturierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der BT-Integration wurde eine Rückstellung von 798 Mill. Euro gebildet, die mit 636 Mill. Euro im Goodwill enthalten ist. Der Goodwill von BT wird über 15 Jahre mit 427 Mill. Euro per anno abgeschrieben. Zu den zentralen Vorhaben in der zweiten Jahreshälfte zählt Breuer die Neuordnung des Privat- und Firmenkundengeschäfts. Von der Deutschen Bank 24, die am 1. September ihre Tätigkeit aufnimmt, erwartet er, daß sie sich zum "Katalysator einer Änderung im Privatkundenmarkt" entwickeln wird. Eine länderübergreifende Mammutfusion im europäischen Bankenmarkt gilt ihm als illusionär: Die Übernahme einer großen Bank in Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien "kann keiner bezahlen"; sie würde 130 bis 150 Mrd. Euro kosten. Es werde zu Teillösungen für bestimmte Produkt- oder Kundengruppen sowie Regionen kommen. In dieser Einschätzung sieht Breuer keine Änderung der Philosophie der Deutschen Bank.In Italien fahre sie zweigleisig. Interessant sei alles, was einen Marktanteil von 20 Prozent bei einzelnen Produkten auf sich vereinige und zum Verkauf stehe. Parallel dazu verhandle die Deutsche Bank über Kooperationen, die durch maximale Beteiligungen von fünf Prozent unterlegt werden könnten. In Spanien bestünden keine aktuellen Absichten; als ideal wertete er die Kooperation mit der Postbank. In Frankreich plane die Bank den Aufbau von 20 bis 30 Einheiten "mit Bodenhaftung".Aus dem Zahlenwerk für das Halbjahr: Der Zinsüberschuß kletterte bei unveränderter Marge von 1,56 Prozent um 6,7 Prozent auf 3,06 Mrd. Euro. Die Provisionseinnahmen wuchsen um 18,1 Prozent auf 3,01 Mrd. Euro; das Handelsergebnis verbesserte sich um 79,1 Prozent auf 2,28 Mrd. Euro. Der Verwaltungsaufwand nahm um 25,7 Prozent auf 6,30 Mrd. Euro, aber bereinigt um BT, Crédit Lyonnais Belgien und leistungsabhängige Sonderzahlungen von 1,45 Mrd. Euro nur um 8,8 Prozent zu. Das Ergebnis je Aktie wird mit 2,91 (nach 2,33) Euro angegeben.

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