Wirtschaft : Deutsche Bank verdient weniger Investmentbanking erzielt geringere Erlöse

Frankfurt am Main - Ein Dämpfer für die Nummer eins der Branche: Die Deutsche Bank kann nicht an die Rekorde der letzten Quartale anknüpfen. Das Institut schrieb im zweiten Quartal 2010 zwar einen Nettogewinn von 1,2 Milliarden Euro. Das sind neun Prozent mehr als vor einem Jahr, aber ein Drittel weniger als noch zu Jahresbeginn. Zudem beruhte der Gewinn vor allem auf Einmalerlösen. Beim Investmentbanking, dem Gewinnbringer der letzten Jahre, büßte die Bank hingegen Erlöse ein.

Einträglich war die Übernahme von Teilen der niederländischen Bank ABN Amro. Der Kaufpreis lag mehr als 200 Millionen Euro unter dem Buchwert, was zu einem hohen Einmalgewinn führte. Zudem hatte die Bank im Vorjahr deutlich mehr für faule Kredite zurücklegen müssen. Die Risikovorsorge sank um drei Viertel auf 243 Millionen Euro.

Das Investmentbanking steuerte rund 60 Prozent zu dem Vorsteuergewinn von 1,5 Milliarden Euro bei. Zu Jahresbeginn waren es noch mehr als 90 Prozent gewesen. Im Handel mit Anleihen und Aktien musste die Deutsche Bank Einbußen hinnehmen, vor allem im Vergleich zum starken ersten Vierteljahr. Das Handelsergebnis schmolz fast auf null zusammen. „In einem Quartal, das von erhöhter Unsicherheit der Investoren und höherer Marktvolatilität geprägt wurde, konnte sich auch unser Investmentbanking dem branchenweiten Trend zu schwächerer Profitabilität nicht entziehen“, erklärte Vorstandschef Ackermann. Finanzexperten kritisieren die Abhängigkeit der Deutschen Bank vom Investmentbanking. Denn auch das Beratungsgeschäft mit Börsengängen, Kapitalerhöhungen und Fusionen lahmt. Im Handel drohen zudem härtere Kapitalauflagen durch die Regulierer, was die Rendite zusätzlich schmälern könnte.

Unterdessen gab die Deutsche Bank bekannt, dass sie mit einem Volumen von 1,95 Milliarden Euro in Staatsanleihen der hochverschuldeten Länder Portugal, Irland, Griechenland und Spanien (PIGS) engagiert ist. Der größte Teil entfiel auf Griechenland und Spanien. Zum Vergleich: Das bereinigte “PIGS“-Engagement der Commerzbank lag Ende März bei 7,6 Milliarden Euro, bei der Postbank waren es 2,9 Milliarden. Das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank kam auf mehr als acht Milliarden Euro. Die Deutsche Bank ist die letzte der 14 in den Stresstest involvierten deutschen Banken, die ihr Engagement in “PIGS“-Anleihen auswies. Die Veröffentlichung war zwar freiwillig. An der Börse stieß die anfängliche Zurückhaltung aber auf Unverständnis. Nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen stieg die Deutsche-Bank-Aktie um beinahe fünf Prozent.mirs/rtr

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