Wirtschaft : Deutsche Bank: Vor der Hauptversammlung steht der Chef Breuer kaum in der Kritik - die Zahlen stimmen

Rolf Obertreis

Es hätte eine äußerst spannende Veranstaltung werden können. Doch nach der gescheiterten Fusion mit der Dresdner Bank blicken Aktionäre und Analysten gelassen auf die Hauptversammlung der Deutschen Bank am Freitag. Vorstandssprecher Rolf Breuer wird den 5000 bis 6000 Aktionären die globale Strategie der Bank vor allem im Investment-Geschäft nahe bringen und ohne Wehmut auf die gescheiterte Fusion zurückblicken. "Es wird keinen Zoff geben, die Zahlen sind sehr gut und die Deutsche Bank hat die Fusionsgespräche ja auch nicht abgebrochen", sagt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Auch der Fall Holzmann liegt schon wieder mehr als ein halbes Jahr zurück. Der Schadensersatzklage des Holzmann- Großaktionärs Gevaert misst kaum jemand größere Bedeutung zu.

Die wichtigsten Entscheidungen sind bereits am Donnerstag nachmittag gefallen: Der Aufsichtsrat hat der Berufung der beiden Amerikaner Edson Mitchell und Michael Philipp in den Vorstand der Deutschen Bank zugestimmt. Ronaldo Schmitz scheidet nach fast zehn Jahren aus Altersgründen mit Ablauf der Hauptversammlung aus, der Brite Michael Dobson geht nach vier Jahren angeblich aus privaten Gründen.

Gerade mal ein Gegenantrag ist für diese Hauptversammlung eingetrudelt. Darin fordert der Dachverband der kritischen Aktionäre, dem Vorstand und dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Grund: Beide hätten mit der Fusion mit der Dresdner Bank die "Vernichtung" von 16 000 Stellen geplant. Dieses zutiefst unsoziale Verhalten werde durch die gescheiterte Fusion nicht besser. Der Vorstand hat diese Kritik bereits im Vorfeld entschieden zurückgewiesen. Auch die PDS hat Proteste vor der Festhalle angekündigt. Demonstriert werden soll auch für einen Schuldenerlass für das südliche Afrika und für die Entschädigung von Opfern der Apartheid und gegen die Beteiligung der Deutschen Bank an einem Kredit für eine Goldmine in Griechenland.

"Warum sollten die Aktionäre Breuer kritisieren", sagt Michael Harms, Bankenanalyst beim Bankhaus Delbrück. "Er hat insgesamt einen guten Job gemacht. Die Bank steht heute so gut da wie lange nicht mehr". Im ersten Quartal kletterte der Gewinn vor Steuern um 76 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro, nach Steuern gab es ein Plus von 50 Prozent auf 960 Millionen Euro. Überhaupt sieht Harms den Vorstandssprecher fest im Sattel, nachdem zwischenzeitlich Gerüchte aufgekommen waren, er könnte wegen der Fusionsblamage vorzeitig seinen Hut nehmen. "Das war ein geplatzter Deal wie er jeden Tag irgendwo auf der Welt passiert".

Auch strategisch erwarten Beobachter keine wesentlichen neuen Erkenntnisse. Breuer wird die weiteren Anstrengungen der Bank auf internationaler Ebene und dort vor allem im Investmentbanking und im weltweiten E-Commerce-Geschäft skizzieren. Dass die Bank im Zukunft noch stärker als bisher die Investmentsparte vorantreiben wird, belegt schon die Berufung von Mitchell und Philipp. Beide gelten als entschiedene Mitstreiter von Vorstandsmitglied Rolf Ackermann, der bislang für das Investmentgeschäft zuständig ist und derzeit für rund 80 Prozent der Erträge der Bank verantwortlich ist. Die beiden jeweils 47jährigen Amerikaner waren bisher für das weltweite Renten- und Aktiengeschäfte verantwortlich. Sie sollen die Übernahme von Bankers Trust wesentlich mit voran getrieben und im März entschieden die Fusion mit der Dresdner Bank abgelehnt und zum Scheitern gebracht haben. Die Berufung der Beiden ist ein weiteres Signal dafür, dass Ackermann in zwei Jahren nach dem altersbedingten Rückzug von Breuer neuer Vorstandssprecher der Deutschen Bank wird.

Möglicherweise äußert sich Breuer auch über eine mögliche Zusammenarbeit mit der Allianz. Die Münchener haben nach wie vor großes Interesse an der Deutschen Bank 24. Mitte Juni wollen beide Seiten wieder konkrete Gespräche aufnehmen. Mittelfristig erwartet Banken-Analyst Harms die Beteiligung der Allianz an der Bank 24. Später könnte das Institut dann an die Börse gebracht werden. Dann, so glaubt Harms, könnte die Bank 24 sowohl für die Deutsche Bank als auch für die Allianz zu einem höchst lukrativen Unternehmen werden. Das könnte den Aktionären nur recht sein.

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