Wirtschaft : Deutsche Bank Vorstand für Rückzug aus der Industrie

Breuer stimmt Verkleinerung der Aufsichtsräte zu / Aber keine Reue nach Thyssen: Übernahmen gehören zur Aktienkultur

FRANKFURT (MAIN) (dpa/rtr).Die Deutsche Bank macht sich für eine Verkleinerung der Aufsichtsräte von Aktiengesellschaften stark.Zugleich verlangt das größte deutsche Kreditinstitut den Rückzug der Banken aus den Kontrollgremien."Die Öffentlichkeit erwartet von uns eine Änderung im System", sagte der neue Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, am Donnerstag abend in Frankfurt.In diesem Zusammenhang spielten die Aufsichtsratsmandate von Bankenvertretern eine wichtige Rolle. "Ich plädiere für eine Änderung des Aktienrechts, die eine Begrenzung der Zahl der Aufsichtsratsmitglieder vorsieht - etwa von 20 auf zwölf", sagte Breuer.Auf diesem Wege würde sich die Zahl der Bankenvertreter "automatisch" verringern.Der Chef der Deutschen Bank sprach von einem "idealen Mittel", um eine Debatte über die Beziehungen von Banken und Industrie anzustoßen."Wenn sich die Deutsche Bank jetzt spektakulär zurückziehen würde, ginge ja sonst eine heftige Diskussion über die Gründe los." Den Gewerkschaften warf Breuer eine Blockadehaltung in der Frage der Verkleinerung der Aufsichtsräte vor. Breuer begründete seine Forderung nach Verringerung der Aufsichtsratsmandate mit einem Glaubwürdigkeitsproblem, das im Zusammenhang mit der von der Deutschen Bank begleiteten, später aber geplatzten Übernahme des Stahlkonzerns Thyssen durch den Konkurrenten Krupp deutlich geworden sei."Beim Fall Krupp/Thyssen ist es zu Hautjucken gekommen in der interessierten Öffentlichkeit - ich gebe zu, mit einigem Recht", sagte Breuer."Worunter wir leiden, ist ein Fehlen von Glaubwürdigkeit.Wir beherrschen Interessenkonflikte, aber uns glaubt keiner." Nach Breuers Ansicht war der Fall Thyssen/Krupp nur der Auftakt einer ganzen Reihe von Firmenübernahmen."Wir wollen als Investmentbank tätig sein, und dazu gehören Takeovers, auch unfreundliche Takeovers." Solche Vorgänge gehören nach Breuers Meinung zu einer "internationalen Aktienkultur", die für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands unverzichtbar sei.Daß dabei ganze Produktionsstandorte und Arbeitsplätze zur Disposition stehen können, räumte Breuer ein.Doch gehöre es nicht zu den Aufgaben einer Investmentbank, solche "arbeitsmarktpolitischen Probleme zu kommunizieren".Einen Verkauf der Beteiligung am Speditionsunternehmen Hapag-Lloyd nannte Breuer möglich.Insgesamt werde die Deutsche Bank ihren Industriebesitz vorerst aber nicht wesentlich abbauen.Ausdrücklich widersprach Breuer dem Vorwurf, das Institut mische sich zu sehr in die Industriepolitik ein.Bei seinen Beteiligungen, die bei einer reduzierten Besteuerung von Veräußerungserlösen auch zu einem Teil verkauft werden sollen, verfolge man keine operativen Absichten. Die Bank werde künftig nicht mehr "alles zu jeder Zeit überall" anbieten, sagte Breuer.Anders als in Deutschland gebe es heute schon Regionen, wo die Bank kein Massengeschäft oder Großkundenkreditgeschäft betreibe.Maßgabe sei, mindestens zu den ersten Fünf in einem Geschäftsfeld zu gehören.Im deutschen Massengeschäft stagniere der Marktanteil der Bank bei fünf bis sechs Prozent, während rund 15 Prozent aller Börsenumsätze und über 20 Prozent des Fondsgeschäfts über ihre Bücher liefen.

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