Wirtschaft : Deutsche Bank warnt vor schwierigem Jahr

po/HB

Die Deutsche Bank steht wieder vor einem schwierigen Jahr. Der deutsche Branchenprimus rechnet erneut mit einer sehr hohen Risikovorsorge für notleidende Kredite. Das wird nach Ansicht der Analysten der niederländischen Bank ABN Amro den Gewinn der Bank erheblich drücken. Die Risikovorsorge ist Teil der Gewinn- und Verlustrechnung von Banken. Sie wird dann erhöht, wenn sich abzeichnet, dass Kredite ausfallen könnten.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bank die Risikovorsorge auf 1,02 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Der Gewinn brach dramatisch auf 167 Millionen Euro ein. Im Jahr zuvor hatte das Institut noch einen Gewinn von mehreren Milliarden Euro erzielt. Auch die drei anderen deutschen Großbanken Hypo-Vereinsbank, Dresdner Bank und Commerzbank erhöhten im Jahr 2001 ihre Risikovorsorge.

Nach Ansicht von Jochen Sanio, Präsident des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen, erreichen die Wertberichtigungen erfahrungsgemäß rund neun Monate nach dem konjunkturellen Tiefpunkt den höchsten Stand. Die Deutsche Bank rechnet mit einer Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte. Demnach würde die Risikovorsorge der Bank in diesem Jahr sogar noch weiter steigen. Analysten schließen einen Anstieg um 20 Prozent nicht aus. Nach den Worten des im Mai ausscheidenden Vorstandssprechers Rolf Breuer fühlt sich die Bank dennoch "gut gerüstet".

Aus dem Geschäftsbericht, den die Deutsche Bank am Montag in Frankfurt vorgelegt hat, geht hervor, dass sich die Problemkredite des Instituts auf insgesamt 12,7 Milliarden Euro belaufen. Das sind 4,9 Prozent des gesamten Kreditvolumens. Im Vorjahr hatte die Deutsche Bank Problemkredite von 12,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die HypoVereinsbank stellte im vergangenen Jahr 12,9 Milliarden Euro an Krediten zinslos, das entspricht 2,6 Prozent des Kreditvolumens. "Viele Engagements müssen weiterhin mit Sorgfalt und großer Aufmerksamkeit gemanagt werden", heißt es in einer Mitteilung des Instituts. Die Märkte bewerteten den Ausblick Breuers grundsätzlich positiv: Die Deutsche-Bank-Aktie kletterte kontinuierlich. Zum Schluss stand das Papier bei 73,71 Euro (plus 1,11 Prozent).

Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Bank einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Der Jahresüberschuss schmolz nach bisheriger Bilanzierung auf 1,4 Milliarden Euro. Im Jahr 2000 hatte der Gewinn noch 4,2 Milliarden Euro betragen. Noch dramatischer sieht es nach dem nun eingeführten US-Bilanzierungsstandard US GAAP aus: Hier stand gerade noch ein Plus von 200 Millionen Euro unter dem Strich - nach 13,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Grund für die Diskrepanz zwischen beiden Bilanzierungen ist, dass bei US-GAAP auch die Senkung der deutschen Körperschaftssteuer und der Wegfall der Besteuerung der Gewinne aus dem Verkauf von Beteiligungen an Kapitalgesellschaften einberechnet werden musste.

Erstmals legte die Deutsche Bank am Montag einen Corporate Governance Bericht vor. Danach gab die Bank für ihre acht Vorstandsmitglieder 56,5 Millionen Euro an Fixgehältern, Bonuszahlungen, Pensionsaufwendungen und sonstigen Vermögensbestandteilen aus. Der erfolgsabhängige Bonus erreichte allein 49,9 Millionen Euro. Nicht eingerechnet in die Summe sind Wandelschuldverschreibungen und Aktienoptionen, die die Vorstände erhalten haben.

Für den 64 Jahre alten Breuer war der Geschäftsbericht 2001 die letzte von ihm vorgelegte Bilanz. Am 23. Mai wird er das Amt an Josef Ackermann übergeben, der bislang für das Investmentbanking zuständig ist. Breuer soll in den Aufsichtsrat wechseln.

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